Dort, im Saal der alten Gastwirtschaft "Zur Buche" in Buch am Forst, wo fromme Kehlen Kirchenlieder sangen, war am vergangenen Samstag sozusagen die Hölle los. Motorradclubs aus Oberfranken und Südthüringen gaben sich ein Stelldichein zur Einweihung des Clubhauses der "Blood Red Section MC" Lichtenfels.
Neben dem ehrwürdigen Klavier, dem einzigen Relikt vergangener Sängerfreuden, metzelt ein Gerippe auf einer Harley Davidson brave Fußgänger nieder, dahinter postieren sich die Präsidenten der namhaften Motorrad Clubs aus Plauen, Saalfeld, Hof, Bayreuth, Kulmbach, Neustadt und Coburg. Von der Bühne, auf der viele Generationen Bauerntheater spielten, grinst ein riesiger Totenkopf in die Schar der Kuttenträger. Auf der gegenüberliegenden Seite prangt saalbreit ein Bild der Arche Noah mit den Überlebenden, den Mitgliedern des Lichtenfelser Motorradclubs.
Die Eröffnungsrede hielt der Vizepräsident der "Blood Red Section MC" Lichtenfels, Marco Finkel. "Die Renovierungsarbeiten in Eigenregie sind nach einem dreiviertel Jahr abgeschlossen", sagte er. Die Westfassade des Gebäudes sei komplett saniert und mit einem Wärmeschutz versehen worden, im Obergeschoss eine moderne Wohnung entstanden. Der Saal biete rund 30 Gästen eine Übernachtungsmöglichkeit. Auch das Erdgeschoss sei komplett saniert worden. Im Vereinszimmer sei eine Bar eingerichtet, die ehemalige Friseurstube diene jetzt als Clubbüro. Wände und Decken wurden in den Clubfarben gestrichen und auch der Kachelofen leuchtet jetzt in Rot und Weiß.
Die Metallgitter vor den Fenstern sollen nicht etwa vor Anschlägen rivalisierenden Clubs schützen, sondern die hochwertige elektronische Anlage und das Getränkelager.
Die martialische Ausstattung der Räume sei für ihn und seine Clubkameraden nicht furchterregend, sondern cool, so der Zweite Vorsitzende. "Wir sind keine ,Outlaw Motorcycle Gang'. Wir haben uns nichts vorzuwerfen. Wir sind keine Kriminellen und haben auch mit Drogen und anderen illegalen Dingen nichts am Hut. Uns geht es um die Gemeinschaft und das Motorradfahren, das ist alles."


Gebäude stand lange zum Verkauf

In Buch am Forst stand die "Mittlere Wirtschaft" lange zum Verkauf. Interessierte winkten schnell ab, weil das Gebäude über keine Heizung verfügt und auch sonst nicht in bestem Zustand war. Der Motorradclub Lichtenfels hatte sein Vereinsheim in Seubelsdorf in einer Halle der Firma Welsch. "Wir wollten etwas Eigenes haben und kündigten mit bestem Einvernehmen des Vermieters den Vertrag", unterstreicht Marco Finkel.


Tag der offenen Tür geplant

Die Mehrzahl der Bucher Bevölkerung freue sich, dass das fast unverkäufliche Gebäude nicht als Ruine in der Dorfmitte zerfällt. Auch die ortsansässigen Betriebe profitierten von dem neuen Verein. Getränke und Esswaren würden vor Ort eingekauft, so Finkel. Auch zur Bevölkerung suche man einen guten Kontakt. Ein Tag der offenen Tür sei zur Kirchweih im Juli geplant.
Dass hinter der raubeinigen Fassade der "Rocker" ein guter Kern steckt, zeigt ein Gespräch mit einem der Mitglieder des Clubs. "Wir leben wie andere Menschen in ganz normalen Verhältnissen", sagt Thomas Hofmann aus Sand am Main. Seit zwei Jahren ist der 48-jährige Familienvater mit drei Kindern Mitglied im Lichtenfels Club. "Nirgendwo sonst kann die grenzenlose Freiheit beim Fahren so tief erlebt werden, als wenn man mit einer Harley Davidson über endlosen Landstraßen cruist", davon ist der Kfz-Meister überzeugt. Das hätte ihm sein früherer Club "Phantom MC Knetzgau" nicht mehr bieten können.
Enttäuscht sei er von seinen Clubkameraden gewesen, als keiner bei seinem Hausumbau mithelfen wollte. Ganz anders in Lichtenfels: nach kurzer Zeit lernte er Hilfsbereitschaft, Freundschaft und Kameradschaft bei der "Blood Red Section MC" kennen. "Sie kamen und halfen mit", erinnerte er sich. Und auch seinem Hobby, dem Motorradfahren in der Gemeinschaft, kann er wieder frönen. Touren durch Deutschland, nach England und Belgien begeistern den Easy-Rider aus Unterfranken.