Erlangen — Percussionist Peter Sadlo präsentiert am Freitag, 16. Januar , um 20 Uhr im Erlanger Redoutensaal in der GVE- Reihe "Unerhört!" zusammen mit Freunden und Weggefährten zwei monumentale Gipfelwerke der Schlagzeugliteratur, von denen jedes einzelne schon ein unvergessliches Konzertereignis garantieren würde: "Tutuguri" von Wolfgang Rihm und "Pléïades" von Iannis Xenakis.
"Pléïades", geschrieben 1978 für das Ensemble "Les percussions de Strasbourg", folgt der sogenannten aleatorischen Kompositionsweise, die dem Phänomen des Zufalls im Ablauf eines Stücks ganz kalkuliert Raum gibt.

Phänomene der Physik

Der Titel nimmt Bezug auf den Sternenhaufen der Pleiaden und damit zusammenhängend auf Phänomene der Astronomie und Physik. In einem der Sätze des Werks spielen alle sechs Musiker ein von Xenakis erfundenes Schlaginstrument aus 19 Metallplatten "Sixxen", dessen Name sich aus "six" (sechs Musiker) und der ersten Silbe des Wortes Xenakis zusammensetzt.
Wolfgang Rihms Poème dansé "Tutuguri" (Kreuze) basiert auf dem Hörspiel-Gedicht "Tutuguri. Der Ritus der schwarzen Sonne" von Antonin Artaud. Inspiriert durch dessen archaisierende, bildgewaltige Poesie wird die Musik hier weniger komponiert und neu erfunden als eindringlich beschworen, Wortbilder werden von den Künstlern direkt in eruptive Klanglichkeit umgesetzt.
Rihm selbst charakterisiert das Werk als den "Weg vom Stil in den Klang, in den Vor-Ton". In der Tat hat der Hörer unvermittelt den Eindruck einer archaischen, vor-zivilisatorischen Szenerie. Es geht um Musik in ihrem ungefilterten, direkten, zuweilen auch gewalttätigen Urzustand, den Rihm zutreffend als Sprengung"bezeichnet.

Stern seiner Zunft

Peter Sadlo gehört spätestens seit seinem ersten Preis beim renommierten "Internationalen Musikwettbewerb der ARD" 1985 zu den unumstrittenen Sternen seiner Zunft. Er steht für eine der geradlinigsten, aber auch ungewöhnlichsten, wenngleich auf außergewöhnlichem Talent beruhenden Karrieren im Fach Schlagzeug.
Der gebürtige Nürnberger wurde bereits während seiner Studienzeit mit zahlreichen Auszeichnungen dekoriert und war gerade einmal 20 Jahre alt, als er seiner Berufung zum Solopauker bei den Münchner Philharmonikern folgte. Doch Peter Sadlo war der Orchesterbetrieb allein nicht genug. 1997 gab er seine Tätigkeit bei den Münchner Philharmonikern auf.
Im Mittelpunkt seines Schaffens stehen seither Aktivitäten als Solist und Kammermusiker, wobei er auf den Konzertpodien der ganzen Welt gastiert. Einladungen zu den international renommiertesten Orchestern und Festivals zeigen das große Interesse an dem einzigartigen Künstler.

Dozent in München und Salzburg

Peter Sadlo lehrt seit vielen Jahren als Professor an der Hochschule für Musik und Theater in München und an der Universität Mozarteum in Salzburg.
Um 19.15 Uhr haben Interessierte am Freitag die Möglichkeit zur Teilnahme an einer kostenlosen Konzerteinführung. Das Konzert wird vom Bayerischen Rundfunk mitgeschnitten und zu einem späteren Zeitpunkt gesendet. red