Gefängnisse in Bayern sehen sich vermehrt mit einer großen Anzahl von Kulturen und Sprachen konfrontiert, da immer mehr JVAs einen erheblichen Anteil an ausländischen Inhaftierten aufweisen. Die Intention des Projektes "RiUscire" ist es, unter anderem auf diese kulturelle Vielfalt zu reagieren, diese auch zu nutzen und die Gefängnissysteme der an dem Projekt beteiligten Länder zu vereinen.
Am Freitag, 28. Oktober, soll genau darüber eine Veranstaltung im Universitätsgebäude am Kranen 12 im Raum KR12/02.01 von 10 bis 13 Uhr Aufschluss geben. Gäste sind eingeladen, den Beiträgen in deutscher und englischer Sprache zuzuhören. Marco Depietri, Lektor für Italienisch im Sprachenzentrum der Otto-Friedrich-Universität in Bamberg, hat der Lokalredaktion schon vorab ein paar Infos verraten.

Worum genau geht es bei dem Projekt "RiUscire" konkret?
Am Anfang steht die Vermittlung von Sprachkenntnissen für diejenigen Inhaftierten, die nur wenige oder noch gar keine besitzen. Verfügen sie über grundlegende Kenntnisse in der jeweiligen Sprache, so erleichtert dies die Verständigung der Gefangenen untereinander sowie mit Lehrenden und Justizvollzugsbeamten und unterstützt die Kompetenzentwicklung. Das Projekt strebt außerdem an, den Inhaftierten bei ihrer schulischen und beruflichen Ausbildung unter die Arme zu greifen.

Welches Ziel verfolgt das Projekt?
Die gelungene Resozialisierung ausländischer Inhaftierter unabhängig von den fünf kooperierenden Ländern Italien, Spanien, Portugal, Frankreich und Deutschland. Um dem nachkommen zu können, muss auch das Gefängnispersonal auf die Multikulturalität und den Plurilinguismus einzugehen wissen. Wenn alle Länder auf dasselbe hinarbeiten, so gestaltet sich der Weg dorthin doch jeweils anders. Wie genau diese Maßnahmen und Ergebnisse aussehen und welche Erfolge sie vorzuweisen haben, wird bei der Veranstaltung näher erklärt.
Welche Erfolge konnten bereits in Deutschland verzeichnet werden?
In Kooperation mit der JVA Ebrach und der JVA Neuburg-Herrenwörth wurde der Zustand in den JVAs zu Beginn betrachtet. So konnte beispielsweise erfasst werden, wie viele ausländische Inhaftierte dort untergebracht sind und welche schulischen beziehungsweise beruflichen Maßnahmen zur Verfügung gestellt werden. Desweiteren wurden ein Lehrplan für alle Sprachen sowie didaktisches Material erstellt. In den sogenannten Best Practises sind Projekte aufgeführt, welche die Gefangenen dem Ziel der Resozialisierung einen Schritt näher bringen sollen, wenn sie sich denn daran beteiligen.
Zu diesen Projekten zählt zum Beispiel das Inszenieren von Theaterstücken oder die Erstellung einer Gefangenenzeitung - auch als Abwechslung vom monotonen Gefängnisalltag, um nur einige zu nennen. Außerdem wurden detaillierte Fragebögen ausgearbeitet, die dazu beitragen, einen Überblick über die Herkunft, die Schul- und Berufslaufbahn, die sprachliche Kompetenz, anderweitige Erfahrungen und Wünsche der Inhaftierten zu geben. Zu guter Letzt werden Ausbildungskurse angeboten, etwa Deutschkurse (auf Bayern bezogen) auf verschiedenen Niveaus, die teilweise von den JVAs und teilweise von der Universität Bamberg finanziert werden.

Die Fragen stellte Anna Gartiser.