Kreis Lichtenfels — Es ist genug. So lässt sich die Meinung der Kreisräte auf einen Nenner bringen. Genug der Belastung des Landkreises durch Überlandleitungen, derer es künftig neun geben wird, genug der Eingriffe ins Landschaftsbild wie durch den Neubau der ICE-Strecke, der A 73 oder Solarparks auf dem Jura. Sowohl was die Verkehrsprojekte Deutsche Einheit anbelangt als auch was die Umsetzung der Energiewende betrifft, habe die Region bereits erhebliche Beeinträchtigungen hinnehmen müssen, betonten sie in einer Resolution, mit der sie Geschlossenheit zeigten. Durch die im Bau befindliche 380-kV-Leitung von Altenfeld (Thüringen) zum Umspannwerk Redwitz sei der Landkreis bereits jetzt betroffen.
Der geplante Netzausbau mittels der Trassenvariante "P44 modifiziert" brachte in Rödental jüngst 5000 Menschen in einer Demo auf die Beine. Der Kreisausschuss hat diesen Ausbau von Altenfeld über Würgau nach Ludersheim abgelehnt. Am Montag manifestierte der Kreistag seine Haltung. "Weitere Beeinträchtigung der Kultur- und Erholungslandschaft in der Gesundheitsregion Obermain und eine zusätzliche Belastung der Bevölkerung durch Infrastrukturprojekte zur Umsetzung der Energiewende sind nicht zumutbar", heißt es in der Resolution. Dies gelte in gleicher Weise für mögliche Erdverkabelungstrassen. Der Landkreis werde alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, um eine Realisierung der Trassen zu verhindern.
Landrat Meißner (CSU) wird wegen dieses Themas noch vor Weihnachten einen Gesprächstermin im Wirtschaftsministerium wahrnehmen. Im Zuge des sogenannten Konsultationsverfahrens könnten, wie er anmerkte, auch die Bürger ihre Meinung kundtun. Winfred Bogdahn (SPD) nannte den Trassenbau das "Ergebnis einer Energiepolitik, die nicht auf Regionalität setzt". Die Energiewende werde nicht ernsthaft betrieben. Dem pflichteten Vertreter der Grünen bei. Bernhard Christoph rief dazu auf, im Landkreis aktive Klimapolitik zu machen, etwa durch die Gründung von Regionalwerken. pp