Werkstatträte aus 25 staatlich anerkannten Werkstätten für Menschen mit Behinderung aus dem Bezirk Mittelfranken kamen zu ihrer jährlichen Vollversammlung ins Forum Barmherzige Brüder Gremsdorf.
Der Geschäftsführer der Gremsdorfer Behinderteneinrichtung, Günther Allinger, hob in seinem Grußwort die "tagtäglich Leistung" hervor, die die Werkstatträte durch ihre "hochwertige Arbeit" abliefern. Gleichzeitig seien sie aber auch bereit, sich ehrenamtlich für ihre Kollegen einzusetzen. Die auf vier Jahre gewählten Räte diskutieren und verhandeln mit Werkstattleitungen und kümmern sich um die Anliegen ihrer Mitbeschäftigten. Auch in der Gremsdorfer Benedikt-Menni-Werkstatt wirkten fünf Vertreter der insgesamt 240 Beschäftigten aktiv mit. "In gewissen Bereichen haben sie sogar ein Mitbestimmungsrecht", betonte Werkstattleiter Detlev Troll.
Jürgen Ganzmann, der Behindertenbeauftragte des Landkreises Erlangen-Höchstadt, der selbst über acht Jahre Leiter der Gremsdorfer Behindertenwerkstatt war, sprach von dem "Menschenrecht auf Arbeit". Arbeit gehöre zu einem selbstbestimmten Leben und gebe Selbstvertrauen. Auch Menschen mit Behinderung können davon nicht ausgeschlossen werden.


Eine Freistellung ist möglich

Die Gesellschaft dürfte aber nicht nur die Handicaps sehen, "sondern vor allem die vielseitigen Fähigkeiten behinderter Menschen", sagte Ganzmann. Vor allem müsse man auch darauf achten, dass nicht zu viele Ämter, Betreuer und Paragrafen einer Inklusion kontraproduktiv entgegenstünden. Teilhabe an der Arbeit dürfe niemals eine Frage des Geldes sein, warnte der Behindertenbeauftragte. Schließlich könne Behinderung jeden jederzeit treffen.
Die wichtigsten Punkte der Werkstättenmitwirkungsverordnung (WMVO) stellte der Fortbildungsreferent für Werkstatträte, Jürgen Zeltner, dem Plenum vor. Abhängig von der Anzahl der Beschäftigten müsse eine Vertretung bis zu 13 Mitglieder haben. Den Räten stünden bestimmte Standards, wie eigene E-Mail-Adressen und Telefonnummern beziehungsweise Räumlichkeiten, zu. Ab 700 Beschäftigten müsste mindestens ein Werkstattrat von seiner Regelarbeitszeit freigestellt werden. Die Werkstätträte hätten außerdem ein Anrecht auf 15 Fortbildungstage.
Ein anerkennendes Lob fand Bezirkstagspräsident Richard Bartsch (CSU) für das "große Engagement" der zahlreichen Werkstatträte. Immerhin vertreten sie über ganz Mittelfranken verteilt 6000 Frauen und Männer. In der heutigen Zeit sei es gar nicht mehr selbstverständlich, dass es Menschen gebe, die sich freiwillig in den Dienst anderer stellten, sagte der Ehrengast. Er bedauerte, dass man leider immer noch auf die Verabschiedung eines Bundesteilhabegesetzes, welches auch Auswirkungen auf die finanzielle Unterstützung der Arbeit von Menschen mit Behinderung haben soll, warte. Der Präsident des Bezirkstages wagte außerdem ein Blick in die Zukunft. Künftig würden Arbeitsplätze für behinderte Menschen nicht nur in den entsprechenden Werkstätten angeboten, sondern wohl auch durch Vereine, Verbände und Firmen. Diese würden dann genauso wie die Werkstätten für Menschen mit Behinderung gefördert werden.
Freilich müssten alle Arbeitsplätze gleiche Grundvoraussetzungen bieten. So entstünden dann für die vielen behinderten Frauen und Männer größere Wahlmöglichkeiten bezüglich ihrer Arbeitsstellen, sagte Bartsch. Er sehe jedoch nicht nur zahlreiche Chancen, sondern auch neue Ängste, die auf die Betroffenen zukommen werden. Zudem bedeute ein größeres Angebot natürlich auch Schwierigkeiten bei der Planungssicherheit hinsichtlich der notwendig werdenden Arbeitsplätze in den Behindertenwerkstätten. Generell befürwortete Richard Bartsch einen "größeren Wettbewerb" auf dem Arbeitsplatzmarkt für Menschen mit Behinderung.
Johannes Salomon