von unserem Redaktionsmitglied 
Miriam Hegner

Kronach — Bevor sie arbeitslos wurde war sie Sekretärin der Geschäftsleitung, erzählt Kornelie Reinhardt. "Im Bereich Kinderbetreuung zu arbeiten, das hätte ich mir nie vorstellen können." Doch die Praktika, die sie im Rahmen des Projekts "Aktiv mit 50+" gemacht hat, haben der 61-Jährigen eine ganz neue Berufsperspektive eröffnet. "Ich hab gemerkt, dass mir der Umgang mit Kindern Spaß macht und tatsächlich eine Stelle gefunden." Ab September wird sie nun in der Mittags- und Hausaufgabenbetreuung von Schulkindern arbeiten.

Ältere oft im Nachteil

"Wer mit über 50 arbeitslos wird, hat es meist besonders schwer, einen neuen Job zu finden", erklärt Sandra Aurednik vom Beruflichen Fortbildungszentrum. "Arbeitgeber legen die Mappen von älteren Bewerbern oft gleich beiseite und stellen lieber Jüngere ein." Dem will das Projekt "Aktiv mit 50+" entgegenwirken. "Wenn die Chefs unsere Kursteilnehmer im Praktikum erleben, sind sie positiv überrascht", sagt Aurednik. "Sie sehen, dass die Bewerber anpacken können und selbständig sehen, wo etwas zu tun ist."

Mehr als die Hälfte hat neuen Job

Seit Oktober 2012 haben über 60 Frauen und Männer an dem Projekt teilgenommen, das von der bayerischen Staatsregierung gefördert wird. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer hat inzwischen wieder einen versicherungspflichtigen Vollzeitjob. In jeweils sechsmonatigen Kursen frischen die Teilnehmer theoretisches Wissen auf, lernen Neues und absolvieren Praktika. Dabei können sie aus verschiedenen Themen- und Arbeitsbereichen wählen, etwa Gesundheit, Lager/Logistik, Produktion, Gastronomie oder Word/Excel. "Ich habe mir hier im Kurs zum Beispiel die neue Rechtschreibung angeeignet", erzählt Kornelie Reinhardt. "Ohne die könnte ich die Hausaufgabenbetreuung ja gar nicht machen."
Auch Bewerbungstraining gehört zum Kursinhalt. "Das war sehr aufschlussreich", sagt Walpurga Witurka. Marianne Köstner stimmt ihr zu."Viele von uns haben ja jahrzehntelang in einem Betrieb gearbeitet und sind nicht unbedingt auf dem neuesten Stand, was Bewerbungsverfahren und die ganzen schriftlichen Formalien angeht."

Kurs als Anstoß

"Ich hab viel dazugelernt", findet auch Harald Schwarz. "Besonders in der Anwendung von Word." In Zukunft wird er als selbstständiger Warendisponent im Lebensmittelhandel arbeiten. Schon früher war er selbstständig. "Man kann schon sagen, dass der Kurs hier der Anstoß war, es wieder als Selbstständiger zu wagen." Der Kurs, der im Moment läuft, hatte zu Beginn 15 Teilnehmer. Sechs davon haben inzwischen schon wieder eine Stelle gefunden. "Und zwei weitere Teilnehmer haben auch schon einen Arbeitsvertrag in Aussicht", erzählt Sandra Aurednik. Der Kurs endet im Juli. "Bis dahin wird es eine weitere Praktikumsphase geben. Wir hoffen, dass danach vielleicht noch ein paar Teilnehmer übernommen werden."