von unserem Redaktionsmitglied 
Matthias Einwag

Bad Staffelstein — Die Veranda des Schönbrunner Sportheims hat Bühnencharakter. Für zwei Dutzend Schönbrunner sind die Holzdielen vor dem Sportheim an diesem Abend die Bretter, die die Welt bedeuten. Unter der Regie von Lilo Ziegler wird fürs Marktspiel geprobt, das am Altstadtfestsonntag, 26. Juli, um 10 Uhr vor dem Staffelsteiner Rathaus aufgeführt wird.
Hauptakteure sind Propst Eberhard (Markus Gernert), der Graf von Giech (Oliver Hofmann) und der Bürgermeister (an diesem Abend vertretungsweise Michael Schnapp für den verhinderten Valentin Mottschmann) sowie dessen Tochter Kunigunde (Svenja Hofmann). Insgesamt werden rund 120 Komparsen dabei sein, deren kreatives Zusammenwirken von Lilo Ziegler und Martina Lind gesteuert wird. Rund zwei Drittel der Laienschauspieler kommen diesmal aus Schönbrunn, weshalb auch vor dem dortigen Sportheim geprobt wird.

Hochfränkische Amtssprache

Im Kern des etwa halbstündigen Spiels geht es um die Verleihung des Marktrechts an Staffelstein im Jahr 1130. Entsprechend kostümiert sind die Schauspieler, und auch deren getragene, verklausulierte Sprechweise lehnt sich ans Mittelalter an.
Die Schönbrunner legen auch sofort los. Harald Jörig und Jürgen Lind spielen die erste Szene. Sie sind Reisige, also Soldaten, die im fränkischen Dialekt in die Handlung einführen. Zum Helm tragen sie nicht etwa Lanzen - Schrubberstiele aus dem Sportheim tun's bei der Probe auch. Nun haben die "Rosenkinder" ihren Auftritt. Sie laufen aufgeregt vor die Bühne und kündigen das Kommen des Grafen an. Der Büttel (Harald Zillig) vertreibt die lärmende Schar mit wenigen Worten und stark gestikulierend.

Fanfarenstoß und Hufgeklapper

Der Graf von Giech und die Seinen erscheinen. Lilo Ziegler artikuliert eine Fanfare und Glockengeläut. Oliver Hofmann simuliert Hufgeklapper. Er trägt trotz tropischer Temperaturen die pelzgesäumte Mütze und als Zeichen seiner weltlichen Würde ein T-Shirt mit Aufschrift "Sportsfreund".
Die Handlung nimmt ihren Lauf. Erst laben sich die Gäste am Gerstensaft, dann wird Gottesdienst gehalten und die Urkunde überreicht. Der Propst: "Labet und lobet! Labet euch am Bier und lobet den Herrn."
Lilo Ziegler unterstützt die Akteure immer mal wieder als Souffleuse, wenn einer stockt. Die ehemalige Pfarrsekretärin gibt Regieanweisungen: "Beim Sanctus könnt ihr nicht mitm Bierkrug rumgehen!" - "Net die Händ falten, wenn's zum Bier geht!" - "Hinknien brauchst net, es reicht, wennst' die Urkunde küsst." Der Graf steckt seinen Handschuh als Zeichen des herrschaftlichen Schutzes auf den Schrubberstiel. Und das Volk jubelt: "Vivat! Vivat! Franconia in pacem!" Beim zweiten Durchgang klappt es bereits besser, nun fällt auch der Jubel des Volkes kräftiger aus. Lilo Ziegler ist zufrieden: "Die sind wirklich klasse. Die denken mit, die planen mit. Das macht großen Spaß, weil die Arbeit nicht an einem allein hängen bleibt."