Für gut drei Wochen hatte die 15-jährige Anna Maria Münch aus Adelsdorf, Schülerin am Gymnasium Höchstadt, einen italienischen Gast. Gabriele Maggi (14 Jahre) kommt aus Uggiate-Trevano, der italienischen Partnergemeinde Adelsdorfs.
Gabriele - in Italien ist Gabriele, genau so wie Nicola und Andrea ein häufiger Jungenname - wohnte bis zum Beginn der Sommerferien bei seiner Adelsdorfer Gastfamilie. Am ersten Ferienwochenende kamen dann seine Eltern mit Bruder Lorenzo und nahmen Anna Maria für drei Wochen mit nach in Italien.
"Es war gar nicht so einfach, eine deutsche Familie zu finden", erinnert sich Gabriele. "Mädchen haben es da etwas leichter", glaubt er. Auch die Italienischlehrerin vom Höchstadter Gymnasium, Eva Schmidt-Schenetti, bestätigt dies. "Mädchen sind in den Familien eher willkommen als Jungs, und ich freue mich, dass Anna Maria den Mut hatte, mitzumachen, einen Jungen aufzunehmen und ins kalte Wasser zu springen", erklärt sie.
Gabriele ist begeistert vom Frankenland. "Wir besuchten schon Nürnberg und Bamberg und auf einem Bierkeller waren wir auch bereits", schwärmt er. Der Unterschied zwischen den deutschen und den italienischen Gewohnheiten sei gar nicht so groß, meint der junge, etwas schüchterne Italiener. "Natürlich frühstücken wir einfacher, unser Abendessen nehmen wir meist später ein, und Nudelgerichte stehen fast täglich auf unserem Speiseplan", erklärt er.


Drei Monate Sommerferien

Über die Beziehung Lehrer-Schüler in Deutschland ist er etwas erstaunt: "Wir haben keine so enge Beziehung zu unseren Lehrern wie die deutschen Schüler", erzählt er. "Unsere 'insegnanti' (Lehrer) sind auch etwas strenger und halten mehr Abstand zu uns." Gabriele besuchte bis jetzt die "terza classe" (dritte Klasse) der Scuola Media G. B. Grassi in Uggiate-Trevano und im kommenden Herbst wechselt er auf die Superiore "Magistri Cumagini", eine technische Oberschule in Como.
In Italien gibt es schon seit Anfang Juni Sommerferien und die dauern drei Monate. Dafür haben die Italiener fast jeden Samstag Schule und die restlichen Ferien fallen viel kürzer aus als bei uns. Der Sommer in Italien ist zudem viel heißer als normalerweise in Deutschland. Bei 30-40 Grad Außentemperatur lernt man nicht so gut.
Die deutsche Sprache hat Gabriele deshalb gewählt, "weil wir ja mit Adelsdorf verpartnert sind und weil es die letzte Möglichkeit für mich war, diese Sprache zu erlernen". Vielleicht seien dann später einmal die Möglichkeiten, in der nahe gelegenen Schweiz eine Arbeit zu bekommen, auch besser.
/>Heimweh hat er nur "un po'" (ein ganz kleines bisschen), denn in seiner Gastfamilie gefällt es ihm sehr gut. Anna Maria freut sich, dass sie ihr Italienisch verbessern kann - vor allem wenn sie bald mit Gabriele nach Uggiate fährt.
Ihre Gefühle sind schon ein wenig gemischt, denn so lange war sie noch nie von zu Hause fort und dazu noch in einem anderssprachigen Land. "Aber ihr Italienisch ist sehr gut", findet Gabriele etwas neidisch, denn sie spricht doch viel in seiner Muttersprache mit ihm. Nur Anna Marias Familie unterhält sich mit dem jungen Gast in leicht fränkisch eingefärbtem Deutsch.
"Am Anfang war es etwas schwierig, aber jetzt passt es schon", lächelt Gabriele. Übrigens musste Papa Günter seine Anna Maria am Anfang schon recht intensiv überzeugen, dass sie zum Austausch ja sagt. Aber jetzt ist sie sehr zufrieden.
Anna Maria, aber auch Gabriele, würden so einen Austausch auf jeden Fall sofort wieder machen, und so etwas empfehlen sie allen Schulkollegen.
Johanna Blum