Nieselregen, acht Grad und viele ernste Mienen. Gestern Mittag protestierten Landwirte aus der Region vor einem Edeka-Markt in Bamberg und begehrten so gegen die Niedrigpreise für landwirtschaftliche Erzeugnisse auf.
Konkret geht es vor allem auch um die Rolle des Einzelhandels. Der lockt jetzt mit Billigangeboten die Verbraucher an. Schweineschnitzel etwa gibt es derzeit schon für 39 Cent pro 100 Gramm. Für die rund 6500 Bauern in den Landkreisen Bamberg und Forchheim gehen solche Preise an die eigene Existenz.
"In großen Lettern preisen die Handelskonzerne Sonderpreise und Rabattaktionen an. In diesem Jahr werden viele der hochwertigen Lebensmittel, die dann an Heiligabend auf den Tisch kommen, im Supermarkt zu Schleuderpreisen verramscht", schimpft Heinrich Faatz, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes im Kreis Bamberg. "Sinkende Erzeugerpreise lassen das Einkommen der Bauernfamilien bereits seit Monaten zusammenschrumpfen. Jetzt setzen die Konzerne ihre skrupellose Preispolitik sogar vor Weihnachten fort. Damit wird der Preiskampf auf die Spitze getrieben", fügt Landesbäuerin Anneliese Göller an.


Initiative für mehr Tierwohl

Nach Ansicht der Bauern stellen Supermärkte und Discounter derzeit einfach nicht genug Geld für die "Initiative Tierwohl" bereit. In dem Projekt setzen sich die großen Supermarktketten, Landwirte und Schlachtwirtschaft gemeinsam für eine tiergerechtere und nachhaltigere Fleischerzeugung ein. So sollen die Standards in der Nutztierhaltung für Schweine und Geflügel insgesamt verbessert werden.
Die Idee dahinter ist eigentlich sehr einfach: Die Bauern schaffen den Tieren in ihren Ställen mehr Licht, Platz und spezielle Beschäftigungsmöglichkeiten - und der Einzelhandel bezahlt. Bislang treten die teilnehmenden Handelsunternehmen für den Kostenausgleich vier Cent pro verkauftem Kilogramm Fleisch- und Wurstware ab. Das Problem: Das Geld reicht für die landwirtschaftlichen Betriebe, die an der Aktion teilnehmen wollen, nicht aus. Allein von 2000 Schweinemastbetrieben in ganz Bayern konnten bislang nur 182 in das Programm mit aufgenommen werden.


Schwierige Verhandlungen

Der Bayerische Bauernverband verhandelt seit Monaten über eine Erhöhung der Pauschale von vier auf sechs Cent pro verkauftem Kilo. Doch nach wie vor stimmt der Einzelhandel nicht geschlossen zu. Auch in Forchheim gibt es Verhandlungen mit einem großen Supermarkt, doch zählbare Ergebnisse stehen noch aus.
Christine Hümmer, Landwirtin aus Trosdorf, hält 150 Schweine im heimischen Betrieb. 1,33 Euro erhält sie gegenwärtig für das Kilo Schlachtfleisch. Viel zu wenig. "1,80 Euro müssten wir eigentlich bekommen, um unsere Kosten zu decken. Aber es gibt leider keinerlei Aussicht auf eine Besserung bei den Preisen."
Landesbäuerin Göller nickt und bestätigt: "Die Schweinemast ist seit längerer Zeit in einem Tal. Der Weltmarkt schlägt sofort auch auf die Region durch." Zusätzlich drängen große Handelskonzerne auf Nachverhandlungen und wollen so Sondernachlässe durchdrücken - auch auf Produkte aus der Region, die bei Kunden sehr gefragt sind.
Heinrich Faatz ist mittlerweile skeptisch, dass die Belange der Landwirte bei den Supermarkt-Unternehmen Gehör finden: "Wir verhandeln seit sechs Monaten, doch nach wie vor stimmt der Einzelhandel einer Erhöhung des Finanzierungsbeitrags nicht geschlossen zu. Unsere Anstrengungen für mehr Tierwohl drohen schlichtweg ausgebremst zu werden."


Rabatte zerstören Betriebe

Seiner Meinung nach würden die Rabattschlachten mit Lebensmitteln die regionale, nachhaltige Erzeugung, die mittelständische Wirtschaft im ländlichen Raum zerstören. "Wenn es Edeka, Aldi, Lidl und Rewe ernst meinen mit dem Tierwohl, muss jetzt zusätzliches Geld für die Initiative Tierwohl bereitgestellt werden", fordert Faatz.
Die Einkommen der bayerischen Landwirte brechen derzeit ein, haben seit 2014 um fast ein Viertel abgenommen. Laut Situationsbericht des Deutschen Bauernverbandes verdienten die bayerischen Familienbetriebe zwischen Juli 2014 bis Juni 2015 durchschnittlich 22,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Bei Höfen mit Schweinezucht lag das Minus sogar bei 33 Prozent.