von unserem Redaktionsmitglied 
Anna Lienhardt

Bamberg — Nein, niemand ist eingesperrt. "Die Asylbewerber können sich frei bewegen, jederzeit das Gelände verlassen", sagt Udo Skrzypczak, Leiter der Polizeiinspektion Bamberg Stadt. Ein Gelände, das ab kommenden Dienstag seine ersten Bewohner aufnehmen wird - zeitweise. Denn es handelt sich um eine "Ankunfts- und Rückführungseinrichtung für Flüchtlinge mit geringer Anerkennungswahrscheinlichkeit", so die offizielle Bezeichnung.
Auf dem Areal der Flynn-Housing-Area, Teil des riesigen ehemaligen US-Kasernengeländes, werden zukünftig bis zu 1500 Asylbewerber auf sieben Wohnhäuser verteilt. Drei weitere Blocks sind für Verwaltung und Behörden vorgesehen, plus einer als Sanitärbereich. Zum Eröffnungstag wird die Kapazität der Einrichtung zunächst bei 400 Flüchtlingen liegen.
Diese sowie alle Mitarbeiter der Verwaltung, des medizinischen Dienstes oder des Bundesamtes für Migration - sprich alle, die auf dem Areal arbeiten - werden es betreten und verlassen dürfen. Andere nicht. Es wird eine Zugangskontrolle geben. "Nur, wer eine entsprechende Berechtigung hat, kommt in die Anlage", stellt Oliver Hempfling, Sprecher der Regierung von Oberfranken, klar.
Sie ist Betreiber der Flüchtlingseinrichtung und damit für die Sicherheit innerhalb des Geländes zuständig. Ein privater Wachdienst, von der Regierung beauftragt, stellt die Kontroll-Posten an der Pforte und läuft auf dem Areal Streife.
Die Grenze des Zuständigkeitsbereiches markiert ein Zaun. Entlang der Pödeldorfer Straße, der Autobahn und der Birkenallee gibt es bereits fest installierte Zäune, die nach dem Abzug der Amerikaner nicht abgerissen wurden. Entlang der Buchenstraße wird derzeit das ungefähr rechteckige Areal mit einem 1,1 Kilometer langen Maschendrahtzaun geschlossen. Die Einfriedung diene einerseits der Abgrenzung zu anders genutzen Flächen, sprich zum übrigen Konversionsgelände, so Hempfling. Aber: Auch der Sicherheitsgedanke spiele durchaus eine Rolle.
Auf der anderen Seite des Zaunes, draußen, wird die Polizei verstärkt Streife fahren. Sie will Angriffe gegen die Einrichtung und ihre Bewohner verhindern, sagt der Chef, Skrzypczak. Er nennt das Stichwort "Objektschutz". Außerdem aktiv werden die Beamten, sollte eine Straftat passieren. Und dann ist da noch etwas, das Skrzypczak als "schwierigsten und sensibelsten Bereich im Asylverfahren" bezeichnet: die Abschiebung. "Diese ist der Polizei zugewiesen. Eine Aufgabe, die auch für uns sehr belastend ist."
Damit die Beamten all ihre Aufgaben gut wahrnehmen können, bekommen sie insgesamt 20 zusätzliche Kollegen. Mit den neu geschaffenen Stellen soll der allgemeine Schichtdienst auf der Straße verstärkt werden, explizit Außendienst, "keiner landet hinterm Schreibtisch", so Skrzypczak.
An diesem sitzen wohl eher die Mitarbeiter in der Sicherheitszentrale direkt auf dem Gelände, die Tag und Nacht besetzt sein wird. Dort werden auch die Bilder über die Monitore flimmern, die die Kameras aufnehmen: Denn das Areal wird - in Teilen - videoüberwacht. "Alle Zugänge und Notzugänge, Bereiche der Umzäunung sowie neuralgische Punkte", sagt Skrzypczak. Mehr Details sind aus Sicherheitsgründen nicht für die Öffentlichkeit bestimmt.
Zudem werde wohl die Straßenbeleuchtung entlang der Pödeldorfer Straße und der Kastanienstraße wieder in Betrieb genommen. Die Laternen gibt es noch, sie sind nur abgeschaltet. Die beiden anderen Straßen, die das Gelände eingrenzen, sind bereits beleuchtet.


Belegung der Zimmer beachten

Wie viele Sicherheitskräfte von Polizei und Wachdienst vor Ort sein werden, dazu will niemand genaue Zahlen preisgeben. Man sei "ausreichend aufgestellt", sagt Regierungssprecher Hempfling. Er erklärt, dass man sich bereits bei der Belegung der Zimmer bemühe, Konfliktpotenzial zu vermeiden. Indem man zum Beispiel Angehörige unterschiedlicher Ethnien und Glaubensrichtungen entsprechend verteile. Neben Regierung, Sicherheitsdienst und Polizei sind am Sicherheitskonzept auch das Bauamt und die Stadt Bamberg beteiligt. Diese richtet eine Hotline ein, an die Bürger ihre Fragen zur Flüchtlingsunterkunft richten können. Die Nummer lautet: 0951/871501.
Übrigens: Die Regierung bittet darum, Spenden für Flüchtlinge nicht am Eingang zur Erstaufnahmeeinrichtung abzugeben. Sprecher Oliver Hempfling kündigt an, man werde das ehrenamtliche Engagement noch koordinieren. Eventuell wird es eine Art Ausnahmegenehmigungen für Helferkreise geben, damit diese das Gelände betreten dürfen. "Das Sicherheitskonzept wird in den nächsten Tagen noch im Detail diskutiert", sagt er dazu.