von unserer Mitarbeiterin Gerda Völk

Michelau — "Brauchen wir überhaupt noch einen Gemeinderat oder sollen der Bürgermeister und seine Verwaltung alles bestimmen?" Eine Frage, die Roland Braun, Fraktionssprecher der SPD und der Jungen Sozialen Bürger (JSB), bei der Gemeinderatssitzung am Mittwochabend in den Raum stellte. Im Verlauf der Sitzung äußerte Braun mehr als einmal Kritik am Vorgehen von Bürgermeister Helmut Fischer (CSU) und brachte den Rathauschef in Erklärungsnot.
Da für die am gestrigen Donnerstag vorgesehene Bauausschusssitzung nur ein Bauantrag und eine -voranfrage vorlagen, wurden die beiden Bauangelegenheiten auf die Tagesordnung der Gemeinderatssitzung gelegt. Braun vertrat die Meinung, dass die Bauausschusssitzung nicht mangels Tagesordnungspunkte entfallen musste, sondern eher wegen Zeitmangel und Terminüberschreitungen. An Aufgaben für den Bauausschuss mangele es laut Braun nicht. "Wir hätten so viele Besichtigungen nachzuholen", beispielsweise die Neuerungen am Rudufersee, den Bauabschnitt 2 im Baugebiet Räßlein, das Feuerwehrhaus in Michelau oder die Sanierung des Dorfweihers in Lettenreuth. Stattdessen sehe man den Bürgermeister und den Bauamtsleiter aus der Zeitung herausschauen. "Die neuen Ratsmitglieder würden bestimmt auch manches gerne sehen, damit sie wissen, worüber sie abstimmen", war sich Braun sicher. Weiter kritisierte er, dass im Mai sowohl die Sitzungen des Gemeinderats als auch des Bauausschusses ausfallen, ebenso im August und eine weitere Bauausschusssitzung im November. "Ich kann keine Sitzungen machen, wenn es keine Tagesordnungspunkte gibt", entgegnete Bürgermeister Fischer. Wären bis Mittwoch drei Bauanträge eingegangen, hätte es auch eine Bauausschusssitzung gegeben. Fischer fragte sich, ob eine Sitzung anberaumt werden müsse, um dem Gremium im Rahmen eines Ortstermins vorzuführen, was im vorletzten Jahr am Rudufersee alles angeschafft wurde. Oder ob der Bauausschuss die drei Eimer im Feuerwehrhaus sehen wolle, da es dort bekanntlich reinregne? Zudem seien in den letzten 37 Jahren im August keine Sitzungen gewesen. Die Mai-Sitzung des Gremiums während der Pfingstferien finde aufgrund der Kritik einer Mutter aus dem Gemeinderat nicht statt. Fischer wunderte sich, dass der Wunsch nach Ortsterminen noch nie ein Thema war und jetzt plötzlich laut werde.
Die von innen beleuchtete Fischreuse inmitten einer Wassermulde sollte ein Highlight der Außengestaltung am Rathaus werden. Doch mit der Wassermulde wird es nichts. Wie Bürgermeister Fischer in seinem monatlichen Sachstandsbericht zum Rathausumbau mitteilte, gebe es laut Architekten bald eine DIN-Norm, die besage, das für derartige Anlagen Trinkwasserqualität verwendet werden müsse. Entweder müsste ständig der "Wasserhahn laufen", was einen Verbrauch von etlichen Kubikmetern täglich bedeuten würde, oder man benötige eine Wasseraufbereitungsanlage.

Sockel statt Mulde

Bürgermeister Fischer bezifferte die Mehrkosten auf 30 000 Euro. Hinzu komme, dass die Brunnenanlage ständig beprobt und die Leitungen gereinigt werden müssten. Da die Arbeiten an der Außenanlage weitergehen mussten, habe Fischer eine "dringliche Entscheidung" treffen müssen. Statt in einer Wassermulde steht die Fischreuse künftig auf einem Sockel, der am 8. Mai angeliefert wird. Das Argument, dass die Wassermulde mit Trinkwasser versorgt sein müsse, sei leider falsch, entgegnete Braun. Nach Auskunft von Heiko Stedler von der Abteilung Gesundheit am Landratsamt gebe es diesbezüglich keine neuen Gesetze oder Bestimmungen. Es müsse nur ein Schild mit dem Hinweis "Kein Trinkwasser" angebracht werden. Die Aussage, die Wassermulde dürfe nur mit Trinkwasser betrieben werden, sei nicht förderlich für das Vertrauen und die Glaubwürdigkeit des Bürgermeisters und Teile seiner Verwaltung gegenüber der SPD-Fraktion. CSU-Fraktionsvorsitzender Clemens Weisser zeigte sich zufrieden darüber, dass die Wassermulde nicht gebaut wird. Da hätte die Gemeinde ein "Pissbecken" bekommen, in dem jeder seine Notdurft verrichten würde.
Weiter teilte Bürgermeister Fischer mit, dass für die Erschließung der Goethestraße Kosten anfallen werden. Da die Straße bislang noch nie abgerechnet wurde, würden alle Anwohner, die noch nie etwas gezahlt haben, eine Abrechnung bekommen.