von unserer Mitarbeiterin  Johanna Krause

Fischbach — Vor neun Jahren drückte er der Kirchengemeinde Eyrichshof seinen ganz eigenen Stempel auf: Pfarrer Ralph Utz war dafür bekannt, dass er oft Hut trug, sich für den Umweltschutz einsetzte, Konflikte nicht scheute und sich außerhalb des Gottesdienstes nicht selten mit einem beschwingten "Salut" verabschiedete. "Salut" heißt es jetzt abermals - allerdings nicht bis zum nächsten Sonntag, sondern für immer.
Denn Utz zieht um. Er hat eine Pfarrstelle in Hemhofen im Dekanat Erlangen angenommen. "Ich werde oft gefragt, warum", erzählt er. "Und ich hätte es mir gut noch einige Jahre hier vorstellen können. Aber ich hatte das Gefühl, dass es Zeit für etwas Neues ist."
Neu ist in Hemhofen vor allem die Arbeit im Team, denn die Gemeinde hat nicht nur eine, sondern zwei Pfarrstellen zu besetzen. In der Kirchengemeinde Eyrichshof war Utz schon aufgrund der niedrigen Einwohnerzahl "alleinzuständig". Rückblickend war das erst einmal eine Umstellung. Doch nach und nach hat er das Landleben schätzen gelernt: "Während meiner Zeit hier habe ich bewusste evangelische Frömmigkeit erlebt", sagt er. "Es gab praktisch keinen Jugendlichen, der sich nicht zur Konfirmation angemeldet hätte. Insofern wissen die Leute hier, was sie wollen."

Traditionen bröckeln

Andererseits habe er jedoch auch "schleichende Traditionsabbrüche" beobachtet - nicht nur, was den Gottesdienstbesuch angeht. "Dass man sich den Posaunenchor zu einem Jubiläum wünscht, kommt immer seltener vor", stellt Utz fest. Schade, wie er findet.
Als seinen größten Schwerpunkt erachtet er rückblickend die Konfirmanden- und Jugendarbeit. "Meine Liebe dazu habe ich eigentlich erst in Fischbach so richtig entdeckt", gesteht er. Dafür kann er ordentliche Erfolge verzeichnen: "Von einer einzigen Jugend-Mitarbeiterin haben wir es zu sieben Jungen und Mädchen gebracht". Leider aber mache sich der demografische Wandel deutlich bemerkbar. Vor einigen Jahren konfirmierte Utz noch 17 Jugendliche in Fischbach, im nächsten Jahr werden es lediglich drei sein, die während der Vakanz am Eberner Konfirmandenunterricht teilnehmen. "Irgendwann haben wir einen Mitarbeiter pro Konfirmand", meint er schmunzelnd. Neben der Jugendarbeit lag Utz vor allem die Ökumene am Herzen.
"Mein schönstes ökumenisches Erlebnis hatte ich vor sechs Jahren bei der Einführung des damaligen Gemeinderats in Pfarrweisach", erinnert er sich zurück. "Da war eigentlich ein ökumenischer Gottesdienst geplant, aber Pater Brütting war kurzfristig verhindert. Also habe ich das allein übernommen - in einer katholischen Kirche, mit katholischem Organisten, katholischem Messner, katholischer Gemeinde... So etwas geht hier eben. Das ist schön."

Gesellschaftliche Verpflichtung

Utz hat sich in Fischbach aber längst nicht nur als Vertreter der Kirche gesehen. "Mit dem Amt geht auch eine gesellschaftliche Verpflichtung einher", findet er.
Deshalb besetzte er vielerlei Posten - vom Dekanatsumwelt- sowie Schulbeauftragten bis hin zu seiner Mitgliedschaft beim Synagogenverein Memmelsdorf, beim Bund Naturschutz in Ebern oder dem Bürgerverein Fischbach.
Sowieso misst er auch der nicht-kirchlichen Seelsorge, der "Seelsorge zwischen Tür und Angel", wie er sie nennt, besondere Bedeutung bei. Die samstäglichen Ausflüge zum Wertstoffhof sind das beste Beispiel: "Da findet regelmäßig eine ‚Männerwallfahrt' statt. Es scheint sich etabliert zu haben, dass die Frauen zu Hause bleiben, während die Männer zum Wertstoffhof gehen. Dort kommt man dann mit den Leuten ins Gespräch, und sie können gleichzeitig Hausmüll und Sünden abladen - das ist doch etwas Wunderbares."
Wunderbar war für ihn außerdem die von ihm eingeführte Kanufahrt mit den Konfirmanden am Tag nach der Konfirmation - "mein persönliches Highlight eines jeden Jahres. Beim ersten Mal hatte ich noch nie zuvor ein Paddel in der Hand gehalten und war schon der Steuermann vom Mädchenboot", erzählt er vergnügt. Und überhaupt: "Die Tour war jedes Mal ein Hochgenuss. Dafür hat mein Herz geschlagen."

Tradition mitnehmen

Tatsächlich überlegt Utz, die Konfi-Kanufahrten in Hemhofen fortzusetzen. Ein Stück Fischbach nimmt er also mit, wenn er Ende Juni seine Umzugskartons packt. Der Termin für seinen Verabschiedungsgottesdienst steht ebenfalls schon fest: Am Sonntag nach Pfingsten, 15. Juni, wird er das letzte Mal vor dem Fischbacher Altar stehen - und sich danach mit einem beschwingten "Salut" von der Gemeinde verabschieden.