Mit dem Erwerb des Böttingerschen Landhauses kann die Gemeinde Stegaurach ihre Ortsmitte neu gestalten. Das barocke Schlösschen samt einiger Nebengebäude könnte nach der Sanierung als Rathaus dienen, das jetzige Rathaus am Schlossplatz einer anderen öffentlichen Nutzung zugeführt werden. Noch ist das Zukunftsmusik. Doch Bürgermeister Thilo Wagner (FW-FL) will auch nicht allzu lange mit der Umsetzung warten, wie er bei einem Rundgang mit einigen Mitgliedern des Gemeinderats und interessierten Bürgern sagte.
Die Gemeinde hat jedenfalls die Möglichkeit, zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Zum einen ist das jetzige Rathaus in die Jahre gekommen und müsste dringend saniert und vor allem barrierefrei umgebaut werden. Zum anderen wäre ein Leerstand in dem neben der Kirche markantesten historischen Gebäude mitten im Ort alles andere als ein Aushängeschild für eine Gemeinde, die sich als stadtnahe Wohngemeinde mit modernen Strukturen und gleichzeitig mehr als 1000-jähriger Geschichte profilieren will.
Gut 1,2 Millionen Euro hat sich Stegaurach das Schatzkästlein kosten lassen. Das entspricht in etwa dem ortsüblichen Baulandpreis für das rund 5600 Quadratmeter große Grundstück. Die Gebäude hat es sozusagen als Zugabe gegeben, wie Bürgermeister Wagner es ausdrückt. Doch die Herausforderung ist groß, vor allem, was das fast 300 Jahre alte, denkmalgeschützte Schlösschen betrifft.
Die Bausubstanz scheint gut zu sein. Doch spätestens unter Dach wird deutlich, dass der Sanierungsbedarf enorm ist. Aber auch im Hauptgeschoss, wo zum Teil gut erhaltene aufwendig bemalte Stuckdecken Denkmalschützer und Kunsthistoriker ins Schwärmen geraten lassen, gibt es einiges zu tun. Jahrzehntelang war das Gebäude Verkaufs- und Produktionsraum der örtlichen Metzgerei. Stegauracher mittleren Alters erinnern sich noch gut daran, als Kinder im Prachtraum des Anwesens an der Fleischtheke ihr Rädla Gelbwurst bekommen zu haben. In früheren Jahren war sogar noch im Schloss selbst geschlachtet worden. Und noch bis kurz vor dem Verkauf vor gut einem Jahr wurde hier Fleisch verarbeitet und Wurst produziert.
Künftig könnte in einem dieser Räume beispielsweise ein stilvolles Trauzimmer eingerichtet werden. Der etwa 300 Quadratmeter große Dachboden böte Platz für einen variablen Veranstaltungsraum. Barrierefrei zugängliche Amtszimmer und ein Bürgerbüro könnten über einen ebenerdigen Zugang und einen Außenaufzug über den rückwärtig gelegenen Garten erschlossen werden.
Das alles muss natürlich in enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz erfolgen, wie Wagner betont. Dem habe sich auch ein Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept (ISEK) unterzuordnen, wie es der Gemeinderat in seiner letzten Sitzung prinzipiell befürwortet hat. Mit dem ISEK wiederum will Stegaurach die Voraussetzung schaffen, um in die Städtebauförderung von Bund und Ländern zu kommen, etwa in das Programm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren - Leben findet Innenstadt".
Ein solches Konzept könnte dann für das gesamte Schlossareal greifen. Bei der Umsetzung könnte die Gemeinde dann mit einem hohen Zuschuss aus den Töpfen der Städtebauförderung rechnen.