von unserem Mitarbeiter Markus Häggberg

Trieb — Wurzelwerk, Schotter, Kurven und 60 km/h bei Abfahrten. Das erwartet die Teilnehmer des Franken-Bike-Marathons rund in den Wäldern um Trieb. Am 21. Juni werden sich Hunderte Mountainbiker bei der 18. Ausgabe dieses RVC-Radfahrgroßereignisses auf vier Strecken stellen. Am Sonntag fuhren erste Interessenten zum Zweck der Auskundschaftung die Parcours probeweise ab. Und unser Reporter fuhr mit.
Sonntag, 11 Uhr - man nimmt Aufstellung zum Gruppenbild: Fahrrad an Fahrrad, Orange an Orange. In diesen Farben leuchten die Trikots der meisten Mountainbiker, den Farben des Radsportvereins Concordia Trieb (RVC), geknipst von Bernhard Krauß. Der Vorsitzende erklärt das Traditionelle des Vorabfahrens: "Das machen wir in jedem Frühjahr und zwei Wochen vor dem Rennen." Weit im Vorfeld des Rennens "gucke ich mir das Gelände an und denke mir: es müssen interessante Strecken sein", so Krauß zu dem, was er den Teilnehmern im Juni zumutet oder was diese erwarten.
Da gibt es tückisches Wurzelwerk, das sich quer über die Wege legt, Fahrrinnen, in die man mit seinem Reifen besser nicht geraten sollte, steile Hänge und enge Kurven. Es geht um fahrerisches Vermögen. 11 Uhr, geht's. Trieb-Pfaffendorf-Obersdorf-Trieb. So ungefähr nimmt sich die Kurzstrecke aus: 19 Kilometer Länge und 380 Höhenmeter gilt es zu bewältigen. Manche Fahrer werden noch andere Strecken fahren, aber alle starten mit ordentlichem Tempo. Sie sind geübt und lassen mich blass aussehen.

Wenn die Puste ausgeht

Schon am Geutersberganstieg, nur wenige Kilometer hinter dem Start am Fußballplatz, geht mir die Puste aus. Krauß bemerkt das. Der Mann hat ein Einsehen und lässt sich zurückfallen. Er reicht mir flüssiges Traubenzuckergel, das mich wieder auf Vordermann bringt. Doch schon am Eulenberg geht mir erneut die Puste aus. Kurz vor der Spiesbergabfahrt erneut. Ich schiebe das Rad, es ist das Eingeständnis einer Selbstverständlichkeit: Ohne Training ist absolut kein Mithalten mit diesen Fahrern möglich. Es sind Männer und Frauen unterschiedlichen Alters.
Es geht bergab. Steil. Endlich. Kein Anstieg mehr, (m)ein Körper kommt für wenige hundert Meter zur Ruhe. Aber das scheint nur so. Gedankenloses Fahren ist nicht drin, denn wer hier nicht auch auf die Meter hinter den unmittelbar nächsten Metern achtet, der läuft Gefahr. Welche Spur und welchen Anfahrtswinkel nimmt man, wenn die verknöchert über dem Weg liegende Wurzel mehr parallel als quer zur Spur verläuft? Was, wenn sie glitschig ist? Und wie umfahre ich den Stein dort vorne, wenn ich doch die Kurve dahinter kriegen muss?
Was einem Ungeübten rätselhaft oder doch gefährlich erscheint, stellt für einen wie Krauß offensichtlich ein Vergnügen dar. "Man muss den Sattel zwischen die Beine nehmen und aufrecht stehen, damit man Gleichgewicht halten kann", erklärt er. Ein, zwei Finger pro Hand an der Bremse, den Daumen an der Schaltung, den Blick auf das Hinterrad des Vorausfahrenden gerichtet, auf den Untergrund überdies. Das alles muss ein Mountainbiker leisten.
Gerät er in eine Fahrrinne und bremst, vielleicht auch weil er muss, kann er sich überschlagen. Irgendwann muss er - womöglich im Pulk fahrend - in die Kurve gehen. Dennoch sei es bei den bisherigen Franken-Bike-Marathons glimpflich zugegangen. Das spricht für das Können der Teilnehmer, die zumeist keine Profis sind.
Monatelang tüftelt Bernhard Krauß an Streckenführungen. "Anregungen kommen beim Wandern. Sie (die Strecken) dürfen sich ja nicht überschneiden." Täten sie das, könnten die Fahrer kollidieren. Aber die Strecken müssen auch teilweise abweichend von Vorjahresstrecken und von Anwohnern, der Stadt, dem Landkreis, Jägern und Förstern bewilligt bzw. befürwortet sein. Genehmigungen sind einzuholen. Am Spießberganstieg tut sich eine Lichtung für Sicht nach Obersdorf auf. Die Fahrer werden am 21. Juni keinen Blick dafür haben.

Die Schlüsselstellen kennen

Stunden später. Ich bin erledigt und komme mit Thomas Groß (49) aus Strössendorf ins Gespräch. "Doch, es bringt Vorteile, wenn man die Schlüsselstellen kennt", erklärt er. Die Schlüsselstellen, das sind die Lagen der Steine, der Wurzeln, die Enge der Passagen, die Kenntnis um Rollsplit und Kurven. Das könnte gegenüber jenen, die nicht mitfuhren, Minuten einbringen. Und die Fahrer sagen, dass sie sich die vielen Informationen entlang der Strecken auch merken können. Und ja, mit den heute gesammelten Informationen ließe sich auch was anfangen, wenn das Wetter am 21. Juni ein anderes sein sollte.
5000 bis 8000 Kilometer radelt Thomas Groß im Jahr, eine Distanz, die er klein redet. Er, Krauß und die anderen sind mindestens geübte Fahrer und Techniker. Ich bin es nicht. Das Trikot des RVC ist orange. Ich bin seiner nicht würdig.