Seit 1954 gibt es den Verband deutscher Unternehmerinnnen (VdU). Er setzt sich für mehr weibliches Unternehmertum, mehr Frauen in Führungspositionen und bessere Bedingungen für Frauen in der Wirtschaft ein. Unlängst wurde Heike Schneider-Jenchen, Inhaberin der Firma Akquise Sales mit Sitz in Forchheim und Hirschaid, in den VdU-Bundesvorstand gewählt. Was sie in diesem Gremium bewegen will, erklärt die 47-jährige Hirschaiderin im Interview.
Gibt es genügend Unternehmerinnen in Deutschland?
Heike Schneider-Jenchen: Nein. Leider gibt es immer noch zu wenig Unternehmerinnen in Deutschland. Die Tendenz ist jedoch seit Jahren steigend! Dennoch sind wir Frauen immer noch sehr zurückhaltend was unsere Karrieregestaltung angeht. Für viele Frauen ist nach dem Kinder kriegen Schluss mit der beruflichen Weiterentwicklung, was sehr schade ist! Gerade die selbständige Erwerbstätigkeit bietet doch Raum für flexiblere Abeitszeitgestaltung. Das belegt auch eine aktuelle Umfrage des VdU: 38 Prozent der befragten Unternehmerinnen stimmen der Aussage zu, dass sich Unternehmertum und Elternschaft besonders gut vereinbaren lassen. Für 14 Prozent war die Familiengründung sogar das auslösende Moment für die Selbständigkeit.

Für was möchten Sie sich im VdU-Bundesvorstand stark machen?
Im Vordergrund steht für mich die Interessenvertretung von uns Unternehmerinnen in Wirtschaft und Politik. Gleichzeitig möchte ich den VdU in der Region Bayern-Nord ausbauen und voranbringen. Seit Beginn meiner Mitgliedschaft bin ich Mentorin in der Käte-Ahlmann-Stiftung, die Unternehmerinnen in der Existenzsicherungs- und Wachstumsphase ihrer jungen Firmen und auf ihrem Weg zu erfolgreichem unternehmerischen Handeln begleiten will. In dieser Stiftung werde ich mich weiterhin engagieren.

Sie setzen auf Frauenpower in Ihrem Unternehmen - warum?
Bei mir arbeiten viele Frauen, die sehr lange daheim waren, um für ihre Kinder da zu sein. Diese Frauen haben aber eine exzellente Ausbildung! Bei mir haben sie die Chance, wieder einzusteigen, eine anspruchsvolle Tätigkeit auszuüben, und trotzdem flexibel Familie und Beruf zu vereinbaren. Wir sind ja eine Vertriebsagentur spezialisiert auf B2B, deshalb macht hier das akquirieren Spaß und man lernt die verschiedensten Unternehmen, Branchen und Produkte kennen! Meine Mitarbeiterinnen dürfen sich ihre Projekte frei wählen und in kleinen Teams erarbeiten. Hierbei ist das Fingerspitzengefühl einer Frau oft von Vorteil. Frauen sind Teamplayer, gut koordiniert und organisiert, davon profitiere ich und mein Unternehmen. Wir haben einen niedrigen Krankenstand und die Fluktuationsrate ist minimal. Das sagt doch alles!

Schließen sich Karriere und privates Glück nicht gegenseitig aus?
Nein, im Gegenteil! Durch meinen Beruf verwirkliche ich mich und bin dadurch ausgeglichener und zufriedener. Natürlich musste ich mich am Anfang meiner Selbständigkeit mit meinem Mann gut organisieren, da unser Sohn gerade mal vier Jahre alt war. Ein perfektes Zeitmanagement war enorm wichtig! Mein Unternehmen ist ja auch mit der Zeit gewachsen. Mein Sohn hat jetzt Abi gemacht, geht studieren und ich möchte jetzt nochmal richtig durchstarten!
Die Fragen stellte
Michael Memmel