Burkheim — "Ich stelle meinen Papierkorb in mein Zimmer", verkündet Vanessa. "Und meinen bekommt meine Schwester", lässt Sophia wissen. Cornelia schenkt ihren Korb der Oma. Die elfjährige Münchnerin ist derzeit zu Besuch bei ihrer Großmutter in Lichtenfels. Der Flechtkurs für Kinder im Rahmen des Jugend-Sommer-Ferienprogramms der Gemeinde Altenkunstadt kam bei den Kids sehr gut an.
Unter freiem Himmel auf einem Grundstück im Burkheimer Lohweg widmeten sich die Mädchen und Jungen einen Nachmittag lang einem uralten Handwerk, dessen Geschichte bis in die mittlere Steinzeit zurückreicht.
"Beim Flechten benötigt man außer den Händen nahezu kein weiteres Werkzeug", erklärt Walburga Kraus den jungen Teilnehmern. Und die Burkheimerin weiß, wovon sie spricht. Schließlich ist sie Korbmachermeisterin. "Allerdings heißt der Korbmacher von einst heute Flechtwerkgestalter", stellt sie mit einem Schmunzeln gleich mal richtig. Noch gut erinnert sich die Gemeinderätin und Vorsitzende des örtlichen Gartenbauvereins an den 2. April 1993, als sie ihre Meisterprüfung gemacht hat. Auch wenn sie sich sieben Jahre später betriebsbedingt beruflich komplett neu orientieren musste, im Herzen ist die handwerklich-kreative Frau dem klassischen Flechthandwerk verbunden geblieben.
Anschaulich und kindgerecht erläuterte Kraus die Grundtechniken des Flechtens. Mit dem nötigen Knowhow ausgestattet, machten sich die Kinder ans Werk. Auch eine Oma versuchte sich als Flechtwerkgestalter. Jeder flocht aus Peddigrohr, das der Elastizität wegen zuvor in Wasser eingeweicht wurde, einen Papierkorb. Und warum ausgerechnet dieses Material? "Bei Weide würde das Wässern mehr als eine Stunde dauern. Bei Peddigrohr hingegen genügen ein paar Minuten, um es biegsam zu machen", erläutert Kraus.


Jede Menge Seegrasschnur

Das Grundgestell fertigen die Mädchen und Jungs aus Abachi-Leisten. Was sie zum Flechten noch benötigen, ist Seegrasschnur, und das in großen Mengen. Vier Stunden lang widmen sich die Kinder mit Eifer und Begeisterung ihrer kreativen Arbeit. Neben Geduld und Ausdauer brauchen sie auch eine gehörige Portion Kraft. Denn das um die Abachi-Leisten geflochtene Peddigrohr muss straff sitzen und daher immer wieder nachgezogen werden. Aber tun einem da nicht irgendwann einmal die Arme weh? "Doch, ein bisschen spüre ich sie schon", gesteht Tobias. Mit ihrem geschulten "Korbmacher-Blick" erkennt Walburga Kraus sofort, wenn sich im Flechtmuster ein Fehler eingeschlichen hat.
Und dort, wo es mit dem Flechten überhaupt nicht klappen will, hilft sie ein wenig nach. "Es tut gut zu sehen, dass im Zeitalter digitaler Computerspiele auch handwerklich-kreatives Schaffen auf Kinder eine Faszination ausübt", freut sich die Korbmachermeisterin. "Und in der Gemeinschaft mit anderen Kindern macht das Ganze noch mal so viel Spaß", meinte Bürgermeister Robert Hümmer (CSU), der vom Eifer und der Ausdauer der Mädchen und Jungs beeindruckt war. Er dankte Walburga Kraus für die kreative Bereicherung des Jugend-Sommerferien-Programms.
Zur Stärkung servierte die Kursleiterin Erfrischungsgetränke und süße Snacks. Kraus wird die Papierkörbe der jungen "Nachwuchsflechter" noch abbrennen, lackieren und ihnen den letzten Schliff geben.
Bernd Kleinert