Haßfurt — "Ein vertrauensvolles und unkompliziertes Miteinander" - so beschreibt der katholische Pfarrer Stephan Eschenbacher die Beziehung zwischen der evangelischen und katholischen Pfarrgemeinde in Haßfurt. Das zeigt auch die gemeinsame Palmprozession, die am kommenden Sonntag das fünfte Mal ökumenisch gefeiert wird.
Pfarrer Eschenbacher und die evangelische Pfarrerin Doris Otminghaus blicken zurück: Die Idee der gemeinsamen Palmprozession entstand im Kindergottesdienstteam der evangelischen Gemeinde. Denn bereits in früheren Jahren fanden im evangelischen Gemeindehaus am Palmsonntag parallel zwei Kindergottesdienste statt - ein evangelischer und ein katholischer. Wenn sowieso schon alle Kinder in einem Haus Wortgottesdienst feiern, könne dieser auch ökumenisch sein, so die Überlegung, ebenso wie die Prozession vor den Gottesdiensten.
"Das war der Grundgedanke, der dann zu der jetzigen Feier führte ", erklärte Pfarrerin Otminghaus. Die erste Annäherung der Gemeinden war vor etwa 20 Jahren das ökumenische Osterfrühstück. "In dieser kurzen Zeit ist die Ökumene in Haßfurt zu einer selbstverständlichen Form des Feierns geworden", erklärt die Pfarrerin. Nun verbindet es, wie auch der Palmsonntag, die Christen in ganz Haßfurt.
Einen Wermutstropfen gibt es aber doch: Eine gemeinsamer Gottesdienst ist nicht möglich. Dies scheitert an der für Katholiken vorgeschriebenen sonntäglichen Eucharistiefeier. Zu dieser sind evangelische Christen nicht eingeladen. Ebenso würde die katholische Kirche einer Teilnahme am evangelischen Abendmahl nicht zustimmen, so Pfarrerin Otminghaus.
Pfarrer Eschenbacher betrachtet die Worte von Papst Franziskus als entscheidend, der sagte: "Eine Taufe, ein Herr, ein Glaube". Hiermit übergibt Papst Franziskus dem einzelnen die Gewissensentscheidung, ob man als evangelischer Christ zur katholischen Kommunion gehen darf. Der Stadtpfarrer Stephan Eschenbacher hofft, dies noch zu erleben. Mit dem neuen Papst scheint sich hier einiges zu tun.
Die ökumenische Palmprozession beginnt um 9.30 Uhr am Marktplatz vor dem Südportal der Stadtpfarrkirche. Die anschließenden Gottesdienste feiern die Gläubigen getrennt in Ritterkapelle und in der Christuskirche. Die Kinder treffen sich zum ökumenischen Kindergottesdienst im Gemeindehaus.