von unserer Mitarbeiterin Ulrike LANGER

Theres — Albert Einstein pflegte zu sagen: "Fantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt." Fantasie wird der Gemeinderat Theres brauchen, um Konzepte für die Schafhofscheune, Feuerwehr, Turnhalle, den Viehof und ein Gemeinschaftshaus zu entwickeln - und nicht zuletzt auch zu finanzieren.
Im Gemeinderat Theres stellte das Architekturbüro Perleth aus Hambach, Kreis Schweinfurt, die in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie zur Dorferneuerung vor: Die Gemeinde müsse in den nächsten Jahren zwischen sechs und 6,5 Millionen Euro investieren. Die Machbarkeitsstudie sollte nicht nur zur Problemfindung, sondern auch als "Entscheidungsgrundlage für die zukünftige Innenentwicklung bei öffentlichen Einrichtungen im Ortsteil Obertheres" dienen.
Eine Möglichkeit wäre, die Turnhalle und alle Nebengebäude abzureißen und ein Stück weiter nördlich eine neue "Minimalturnhalle" aufzubauen. Damit eine Turnhalle für den Schulsport geeignet ist, muss das Spielfeld 15 auf 27 Meter groß sein. Außerdem könnte ein Spielplatz und ein Allwetterplatz zur Alice-von-Swaine-Straße hin errichtet werden, wodurch die Schulkinder auch den Platz im Osten der Turnhalle nutzen könnten. Entschließt sich die Gemeinde, die Turnhalle wieder an gewohntem Platz zu errichten, könne ungefähr ein Jahr kein Schulsport stattfinden. Die geschätzten Kosten belaufen sich auf 2,6 bis drei Millionen Euro abzüglich einer Förderung von 839 000 Euro.

Beim Alten bleibt es nicht

Der zweite Vorschlag des Planungsbüros: Gebäude erhalten und zu einem Bürgerzentrum ausbauen. Dieser Vorschlag koste zwischen 4,1 und 5,2 Millionen Euro - schließlich müsse die Gemeinde in jedem Fall eine neue Turnhalle zur Verfügung stellen.
Der Schafhof, der die Gemeinde jährlich rund 1200 Euro kostet, könnte zwar saniert werden. Sollte jedoch festgestellt werden, dass die Holzkonstruktion des vorhandenen Anbaus schadstoffbelastet ist, müsste er auf jeden Fall abgebrochen werden. Der Kostenrichtwert für eine mögliche Sanierung und Ausstattung mit Heizung für eine Nutzung im Winter liegt zwischen 450 000 und 620 000 Euro abzüglich einer möglichen Förderung bis zu 150 000 Euro.
Anderenfalls könnte die Gemeinde die Gebäude verkaufen und Bauplätze erschließen. Ein Neubau des Feuerwehrgerätehauses auf dem bisherigen Grundstück ist aus verschiedenen Problemen nicht möglich. Den Neubau auf ein anderes Grundstück auszulagern koste an die 1,4 Millionen abzüglich 166 500 Euro Fördermittel.
Eine runde Sache wäre die Neugestaltung des unter Denkmalschutz stehenden Viehhofs, so Christiane Wichmann. "Der Viehhof ist eine der wenigen unverfälscht erhaltenen Ökonomieanlagen eines Klosters in Bayern", betonte die Architektin, Diplom-Ingenieurin (FH) und Stadtplanerin.
Das Architekturbüro betitelte sein Konzept mit den Worten "Leben in historischen Mauern". Dies berge viele Vorteile in sich. So könnte der Schafstall im Süden zu einer überregional bedeutenden Veranstaltungshalle umgebaut werden. Die neu zu schaffenden Freiflächen könnten nach Abbruch der Remise für Konzerte, Freiluftausstellungen, Kirchweih, Märkte und so weiter genutzt werden.
Im Wohnstallgebäude im Norden könnte ein Kulturhaus entstehen. Außerdem könnte die Feuerwehr integriert werden, indem für die drei Fahrzeuge und die notwendigen Zusatzräume ein Neubau im Norden erstellt und weitere Räume in der ehemaligen Scheune im Nordwesten eingerichtet werden. Für den Fall eines Einsatzes der Feuerwehr während einer Veranstaltung ist es möglich, die Zufahrt mit einem Absperrband abzuriegeln.

Hohe Kosten, hoher Gewinn

Zwar bezifferte Christiane Wichmann den Kostenrichtwert auf 7,5 Millionen Euro. Doch könnte die Gemeinde vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) profitieren und eine Förderung von 3,17 Millionen Euro erhalten. Ob der Landkreis Haßberge berücksichtigt wird, entscheide sich im Spätherbst. Zusätzlich könnte die Gemeinde für die Voruntersuchung des Projektes, die zwischen 30 000 und 50 000 Euro kosten wird, eine Förderung von 30 bis 80 Prozent bekommen.
Wichmann erklärte, es ergeben sich aus der Realisierung des Projektes Viehhof auch Synergieeffekte und es entfielen Investitionen an anderer Stelle - soweit die "Fantasien" der Architekten.

Reaktion der Gemeinde

Bürgermeister Matthias Schneider (CSU) sagte, es sei wichtig, etwas für die Dorfgemeinschaft zu schaffen: "Aber der Gemeinderat muss auch die Kosten im Auge behalten." Den Vorschlag des Architekturbüros Perleth für den Viehhof bezeichnete er als "sehr gelungen".
Zu Beginn der Diskussion legte Joachim Türke die Meinung der Oberthereser dar. "Wir können einen Abbruch des Schafhofs und die Ausweisung von Bauplätzen mittragen", sagte er. "Die optimale Lösung im Viehhof hat uns gefallen." Sollte aber das Projekt keine europäische Förderung erhalten, müsse vor allem die Sicherung des Schulstandortes bedacht werden. Uwe Stühler hatte Bedenken, dass der Viehhof finanzierbar sei, wenn eine neue Turnhalle gebaut und der Schafhof saniert werden müssten. Roland Klement mahnte eine Finanzplanung für die Gemeinde Theres bis zum Jahr 2020 an, in der alle Vorhaben eingearbeitet werden sollten. Ohne die Gewissheit, dass die Gemeinde eine EFRE-Förderung bekommt, falle die Entscheidung schwer. Matthias Schneider schlug vor, dass sich der Gemeinderat in der nächsten Sitzung am Montag, 15. September, für eine Variante entscheiden soll.