Neustadt — Mit rund 35 Prozent der Fläche des Freistaates nimmt der Wald in Bayern einen wahrlich nicht geringen Stellenwert ein. Über 700 000 private Waldbesitzer teilen sich 58 Prozent dieser Fläche. In den Landkreisen Coburg und Lichtenfels leben 11 000 von ihnen. Einer davon ist Hubert Kluger aus Neustadt. Er gehört zu dem geringen Teil der Waldbesitzer, die Grund und Boden nicht geerbt, sondern käuflich erworben haben.
Jetzt ist es durchaus legitim, dass ein Waldbesitzer Profit aus seinem Besitz schlagen will. Anders war es bei Hubert Kluger. Ihm war von vorne herein klar, dass wirtschaftliche Aspekte weit hinter den ökologischen und gesellschaftlichen Gesichtspunkten kommen werden. Was zwischen den Neustadter Stadtteilen Horb und Fechheim seit 2011 entstanden ist, kann als ein Beispiel angesehen werden, wie Ökonomie und Ökologie in Einklang gebracht werden kann.
Nachdem es dem Zahnmediziner nicht unbedingt in die Wiege gelegt wurde, wie eine ökologisch nachhaltige Waldbewirtschaftung umgesetzt werden kann, suchte er professionelle Hilfe. Im Landschaftspflegeverband und im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) fand er die Fachleute, die ihm zur Seite stehen, um seine Vorstellungen von einer der Natur nützlichen Bewirtschaftung umzusetzen. "Ich wäre hoffnungslos überfordert gewesen", gab Hubert Kluger unumwunden zu.

Zauneidechse und Schlingnatter

Bei einem Ortstermin an dem Frank Reißenweber (Landschaftspflegeverband), Peter Kröner (Bereichsleiter Forsten AELF) und Förster Frank Wystrach (zuständig für die Beratung im Privat- und Körperschaftswald) teilnahmen, konnte ein Resümee nach vier Jahren ökologischer Waldbewirtschaftung gezogen werden.
Von Frank Reißenweber war zu erfahren, dass unterhalb des "Horber Sattels" eine Streuobstwiese entstanden ist, die dank der Zusammenarbeit mit Kluger alte Obstsorten beheimatet. Sie ist auch Heimstatt für die Rote-Liste-Arten Zauneidechse und Schlingnatter. Damit sich die Reptilien richtig heimisch fühlen, wurden Lesesteinhaufen angelegt, damit die wechselwarmen Tiere sich auf dem Gestein aufwärmen können. Nicht weit von der Streuobstwiese findet sich direkt an der Straße zwischen Fechheim und Horb ein kleines Paradies für Grasfrosch, Feuersalamander Libelle und Co. Hubert Kluger hat hier die aus dem Berg tretende Erlenquelle, deren Wasser im 17 und 18. Jahrhundert Mühlen antrieb, zu einem Biotop gefasst. Das Besondere an der Erlenquelle ist, dass es hier zu Tuffbildungen kommt.
"Im Grunde ähnlich wie bei den berühmten Kalksinterterrassen Pamukkale in der Türkei", erklärte Frank Wystrach. Fügte aber schnell hinzu: "Nur etwas kleiner."
Erfreut waren beiden Forstfachmänner, als die von Kluger betriebene Erstaufforstung vorgestellt wurde. Auf einer Fläche von etwa zwei Hektar wurden rund 10 000 Bäume gepflanzt. Das Besondere daran ist nach Worten von Frank Wystrach, dass vor den so genannten "Ertragsbäumen", ein etwa zwölf Meter breiter Streifen mit Hecken und Bäumen zweiter Ordnung gepflanzt wurde. So finden sich hier Laubgehölze wie Eberesche, Robinie, Kirsche und Spitzahorn.

Weicher Übergang

Diese, nach Naturschutzkriterien strukturierte Waldrandgestaltung hat nicht nur den Vorteil, dass die Bäume Stürmen nicht mehr so direkt ausgesetzt sind, sondern sorgt auch für einen fließenden Übergang von Forst- zu Landwirtschaftsflächen, betone Frank Wystrach und zeigte auf, dass derzeit fast nur "harte Linien" zwischen den beiden Nutzflächen zu finden sind. Im Inneren der Aufforstung fühlen sich die Eichen wohl. Hubert Kluger, versicherte, dass er keinen Nutzen aus den Bäumen ziehen wird. "Bis eine der Eichen zum Verkauf kommt, vergehen etwa 150 Jahre", erläuterte Frank Wystrach. Es sei in der Forstwirtschaft daher immens wichtig, an die nachfolgenden Generationen zu denken. "Schließlich", so Wystrach, "haben die vorgehenden Generationen auch an uns gedacht".
Oliver Kröner unterstrich, dass das Engagement von Kluger vorbildlich sei. "Die Leidenschaft mit der er Ökologie und Ökonomie in Deckung bringt, ist ein Musterbeispiel gelebten Naturschutzes". Die Frage nachdem "Warum", beantwortet Hubert Kluger überzeugend: "Für mich ist die Arbeit im Wald aktive Erholung".
Erfreut zeigte er sich, dass seine Frau Gabriele sowie die Töchter Katharina und Antonia ihn aktiv unterstützen. Nicht unerwähnt ließ Oliver Kröner, dass sich Nachahmer gern an das AELF wenden können. reb