Lichtenfels/Banz — Was Wissenschaftler seit einiger Zeit schon vermutet haben, ist jetzt mit Untersuchungen vor Ort offiziell bestätigt worden: Im Banzer Wald ist eine Fledermaus heimisch, die erst seit 2012 offiziell in Bayern als neue Art registriert ist: die so genannte Nymphen-fledermaus, wissenschaftlich Myotis alcathoe benannt.
Das Tierchen führte bislang ein verborgenes Leben in alten Wäldern, so der Diplom-Biologe Gerhard Hübner gegenüber unserer Zeitung. Aufgrund ihrer Ähnlichkeit mit weiteren Arten aus der Gruppe der Bartfledermäuse sei es auch für die Forscher lange unentdeckt geblieben. Weltweit erstmalig sei die Nymphenfledermaus 2001 von der Arbeitsgruppe der Uni Erlangen um Professor von Helverson anhand von Exemplaren aus Griechenland beschrieben worden. Nachdem 2005 bekannt geworden sei, dass sie auch in Deutschland vorkommt, seien vor zwei Jahren im Landkreis Forchheim die ersten bestätigten Nachweise in Bayern gelungen.

Der Ruf der Fledermaus

Um mehr über die Verbreitung und Lebensweise herauszufinden, läuft derzeit ein Erfassungsprojekt. Vor Ort im heimischen Landkreis ist neben Gerhard Hübner auch der Diplom-Biologe Jürgen Thein bei den Untersuchungen eingebunden, die von der Regierung von Oberfranken koordiniert werden. Beide konzentrieren sich bei ihrer Suche auf größere Waldgebiete im westlichen Oberfranken. Im Landkreis Lichtenfels untersuchen sie unter anderem die Eierberge und den Banzer Wald. Dabei setzen sie moderne technische Geräte zum Aufzeichnen von Fledermausrufen - so genannte Batcorder - ein.
"Da man inzwischen weiß, dass die Nymphenfledermaus artcharakteristische Ultraschallrufe während des Fluges von sich gibt, ist auf diese Weise der Nachweis elegant und ohne Störung der Tiere möglich", so Hübner.
Die Methode, durch die diese Fledermausart ursprünglich entdeckt wurde, sei für die Tiere unangenehmer und stressiger gewesen: Dabei seien für genetische Analysen Tiere gefangen und organisches Material - zum Beispiel kleine Hautproben - entnommen worden.

Rückzug in hohe Baumkronen

"So einfach finden lassen sich Nymphen dennoch nicht", so Hübner weiter. Nach bisherigen Erkenntnissen scheine sich diese Art alte hohe Laubbaumkronen als "ökologische Nische" erkoren zu haben, in der sie sich vorwiegend aufhalten. Dort Aufzeichnungsgeräte optimal zu positionieren, sei ein Problem.

Einsatz mit der Zwistel

Mit dem Nature-2000-Team um Forstoberrat Klaus Stangl vom Forstamt Scheßlitz sei ein kompetenter Kooperationspartner gefunden worden. Der ausgebildete Baumkletterer Stefan Hanke habe ebenfalls weiterhelfen können. Mit einer überdimensionalen Zwistel habe er im Banzer Wald zielgenau bis in 25 Metern Höhe Halteseile in die Baumkronen geschossen, an die die Batcorder in luftige Höhen gezogen wurden. Der Erfolg habe sich auch prompt eingestellt: Im Banzer Wald sind Nymphenfledermäuse heimisch. red