von unserer Mitarbeiterin  Werner Baier

Hirschaid — Es ist fast schon makaber, dass der kleine Friedhof von Röbersdorf zu einem Dauerbrenner geworden ist: Einfriedung, Begrünung, die Frage eines Friedwaldes hinter der Friedhofskapelle und vieles mehr wurden in unzähligen Konferenzen erörtert. In der letzten Sitzung des Marktgemeinderates wurden nun ausgiebig das Für und Wider der Renovierung oder des Neubaus einer Aussegnungshalle gewälzt. Bei drei Gegenstimmen wurde letztlich beschlossen, das gut 60 Jahre alte Gebäude zu ersetzen und damit den Mehrheitswunsch der Dorfbevölkerung zu erfüllen.


Gründe gegen Sanierung

In Röbersdorf war sogar ein Arbeitskreis gebildet worden, um alle Eventualitäten auszuloten. Für eine Sanierung der jetzigen Aussegnungshalle spricht vor allem das schmucke Glockentürmchen mit der Zwiebelhaube. Architekt Stefan Paptistella schätzt die Kosten einer Sanierung des Gebäudes auf etwa 140 000 Euro - ohne Risikoaufschlag für böse Überraschungen am maroden Dach oder an den Mauern. Markus Zillig, Gemeinderat aus Röbersdorf, verwies zudem auf Unzulänglichkeiten des Ein- und Ausgangs: Um ihn behindertengerecht zu machen, wäre eine Rampe erforderlich, für die aber kein Platz wäre. Deshalb müsste man sogar an einen neuen Zugang auf der Ostseite denken. "Einen gewissen Charme" sprach Dritter Bürgermeister Hans Wichert (WG Sassanfahrt-Köttmannsdorf-Rothensand) nur dem Glockentürmchen zu. Im Übrigen sei zu befürchten, dass 20 Jahre nach einer Sanierung wieder von vorne begonnen werden müsse. Bei einem Neubau hätte man 50 Jahre Ruhe.
Häufig stellt sich in solchen Fällen heraus, dass ein Neubau ohnehin nicht teurer als eine Sanierung wird. In diesem Fall aber wären doch rund 180 000 Euro erforderlich, um einen gefälligen Plan des Architekten zu verwirklichen. Dann entstünde auf einer Fläche von sieben mal zehn Metern eine beheizbare Friedhofskapelle mit rund 30 Sitzplätzen für die Trauergäste. Zwei Räume an der Stirnseite würden sich als Lager für Bestattungsbedarf, Umkleide und Waschgelegenheit eignen. Bürgermeister Klaus Homann (CSU) informierte, dass bei anderen Gewerken auf dem Friedhof Ausgaben verringert werden können, um die Mehrkosten des Neubaus auszugleichen. So habe man den Gedanken an einen Friedwald verworfen.


Nicht wieder in Frage stellen

Alles schön und gut, wenn Hirschaid finanziell besser aufgestellt wäre. "Wir reden über etwa vier Beerdigungen im Jahr", streute FWG-Sprecher Gerd Porzky ein. Sein Fraktionskollege Udo Wüst hielt deshalb die billigere Lösung für angebracht. Von den Argumenten für einen Neubau ließ er sich nicht überzeugen, zumal die vom Bürgermeister genannten Einsparungen den finanziellen Aufwand der Sanierung noch senken könnten. Erst als Zweite Bürgermeisterin Elke Eberl (CSU) warnte, nach dem mühsam eingeholten Bürgerwillen der Röbersdorfer alles wieder in Frage zu stellen und die FWG-Rätin Marianne Schmuck bei all ihren beruflichen Erfahrungen für "einen gewissen Standard und einen Neubau" plädierte, stimmten 19 Marktgemeinderäte für den Abriss der alten und den Bau einer neuen Aussegnungshalle. Architekt Paptistella soll mit dem Rat von Bestattungsunternehmen einen Bauplan ausarbeiten. Und dann gibt's die nächste Runde im Gemeinderat.