Josef Hofbauer

Wasser ist Leben. Schon die Menschen an den Oasen des Nils, Mesopotamiens und des Indus nutzten Wasserschöpfräder, um die am Fluss gelegenen Felder und Wiesen feucht zu halten. Entlang der Regnitz erlebten die Wasserschöpfräder ihre Blütezeit im 18. Jahrhundert, als auf der 35 Kilometer langen Strecke zwischen Fürth und Forchheim mehr als 200 Wasserschöpfräder in Betrieb waren.
In Forchheim und Burk, so der Wimmelbacher Hobby-Historiker Hermann Meißner, habe es bereits um 1520 die "größten und mächtigsten Wasserräder" gegeben. 36 Kümpfe (an den Radkränzen angebrachte Wasserkübel) schöpften das kostbare Nass aus dem Fluss, das über ein Grabensystem, für dessen Unterhalt die "Wässerer" verantwortlich waren, weiter verteilt wurde. Kleinere Wasserräder, die sich in Abständen von 400 bis 500 Meter entlang der Regnitz reihten, hatten 22 oder 24 Kümpfe.


Mit 32 Stützen

1859 erhielt der Zimmerermeister Franz Schorr aus Burk den Auftrag, ein Wasserrad zu bauen. In dem Antrag steht, dass es 1845 einen "Uferdurchbruch der Regnitz und im Leschwöhr" gegeben haben muss, dem die zwei Wasserräder der Heiligenwiesen und bei Burk zum Opfer gefallen waren "und deswegen kein Futter mehr erzielt werden konnte." Zur Bewässerung der Stiftswiese solle daher ein Wasserrad mit 20 Fuß Zirbelhöhe und 32 Stützen gebaut werden.
Als erster Wässerer von Burk ist in den Unterlagen ein Johann Stark verzeichnet, der das Amt am 25. Januar 1862 übernommen hat. In der gleichen Urkunde genehmigt die "Königliche Regierung" den Bau und Betrieb eines Wasserrades, um die "Heiligenwiesen" in Burk bewässern zu können. Auch die Standorte sind in der Urkunde exakt dokumentiert. Um 1924 wurde es wieder abgebaut und durch eine hölzerne Wasserrinne über die Regnitz ersetzt. Von diesen Arbeiten hat Meißner ein Foto entdeckt. Sogar die Namen der Arbeiter hat Meißner dokumentiert
Das Wasser gab es übrigens nicht gratis. So hat Meißner Quittungen gefunden, die belegen, dass 26 namentlich bekannte Unterzeichner zwischen 1863 und 1865 ihre Wässergebühren ordnungsgemäß entrichtet haben. Aus das Jahr 1892 datiert ist ein Verzeichnis von 78 Wiesenbesitzern aus neun Gemeinden rund um Burk, die sich auf die Herstellung einer genossenschaftlichen Bewässerungsanlage geeinigt hatten.


Vom Hochwasser vernichtet

Das letzte Forchheimer Wasserschöpfrad stand unterhalb der alten Regnitzbrücke zwischen der Forcheimer Altstadt und der damaligen Gemeinde Burk, dort wo heute der Yachthafen ist. Von diesem Schöpfrad besitzt die Burkerin Theresia Seelmann ein Foto aus dem Jahre 1934, als die Konstruktion in die Regnitz gehängt wurde. Jedes Jahr im Oktober wurden die Wasserräder wieder abmontiert, damit ihnen weder Hochwasser noch Eis etwas anhaben konnte.
Dennoch wurde dieses Wasserrad von einem Hochwasser nach dem Zweiten Weltkrieg weggerissen, abgetrieben und nie wieder aufgebaut. Das gleiche Schicksal erlitt die Holzrinne über der Regnitz.
Durch das Hochwasser am Sonntag, 6. Februar 1964, wurde sie um 9 Uhr morgens fortgespült und nicht mehr aufgebaut. Fortan übernahmen elektrische Pumpen die Aufgaben der Wasserräder. Die letzten acht noch funktionierenden Schöpfräder stehen übrigens auf dem Gebiet der Gemeinde Möhrendorf bei Erlangen.