Friederike Stark

Es ist eine Zitterpartie. Zumindest für den Betrachter auf der Schleusenbrücke in Limbach. Die "Ferramenta", ein "General Cargo Ship" unter niederländischer Flagge, steht vor einer rein rechnerisch schwierigen Aufgabe: Der Schiffsführer des offiziell mit zwölf Metern Breite verzeichneten Frachters will die - offiziell ebenfalls - zwölf Meter breite Limbacher Schleuse passieren. Ein paar Zentimeter Luft gibt es tatsächlich links und rechts, wenn die Schleusentore komplett zurückschwingen. Wenn.
An diesem klirrendkalten Montag will sich ein Schleusentor nicht ganz glatt in die Nische der Wand legen. Über die Fernsteuerzentrale in Haßfurt öffnen und schließen die Verantwortlichen die Untertore wieder und wieder. Links klappt es, das rechte Tor steht minimal vor. Eisschollen haben sich offenbar verkeilt, selbst die gewaltigen hydraulischen Kräfte, die die Tore durch das Wasser bewegen, schaffen es nicht. Die "Ferramenta" wartet hangabwärts am Main. Schließlich einigen sich die Parteien per Funk: Sie gehen es an. Wozu gibt es Heck- und Bugmanövrierung an dem Riesenpott? Der Kapitän beweist eindrucksvoll, wie gut er steuern kann. Der Beobachter oben auf der Schleusenbrücke kriegt Blutdruck. Was für ein Manöver! Der lotse vorne hängt mit Sprechfunk halb über der Bordwand und gibt dem Mann an den Turbinen Rückmeldung. Da passt rechts eine Hand dazwischen, links ist etwas Luft zum Schleusentor, so schiebt sich der 110-Meter-Frachter in die Limbacher Schleusenkammer.


Eisbrecher unterwegs

Der Vorfall zeigt das Können und die Routine, dank derer trotz solcher "kleinen" Winterwagnisse die Schleusen im Zuständigkeitsbereich des Wasser- und Schifffahrtsamtes Schweinfurt nach wie vor passierbar sind. "Noch schaffen es die Schiffe auf dem Main, sich den Weg selbst frei zu brechen", erklärt Helko Fröhner, der stellvertretende Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes. Zwar knirscht es gewaltig, wenn sich die Schiffe durch das Wasser bewegen, aber wer sich traut und das nötige Gefühl mitbringt, kommt hindurch - auch ohne die Eisbrecher "Angermünde" und "Von Grassmann".
Die sind derzeit sowieso auf dem Main-Donau-Kanal unterwegs. Dort nämlich hat sich das Eis schon stärker breit gemacht als auf dem Main: Die Schleusen zwischen Forchheim und Nürnberg hatten frühmorgens laut dem im Internet einsehbaren Elektronischen Wasserstraßen-Informationsservice der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung alle den Status "behindert". Das heißt etwa im Falle der Schleuse in Hausen (Kreis Forchheim), dass "Eisstoßer" Dienst hatten. Zwei Männer entfernten mit Stangen und Schiebern in der Hand das Eis. Schiffe, die, von Erlangen kommend, abwärts fuhren, schoben aufgerütteltes Eis vor sich her und drückten es in die Schleusenkammer. Einige Eisplatten bleiben dann meist am unteren Ausfahrtstor hängen, und die drohen, auf das durchfahrende Schiff herunter zu krachen. Die Eisstoßer in Hausen sorgten mit den Eisbrechern noch für freie Fahrt. Am Montagvormittag allerdings war Schluss, die Schifffahrtsverwaltung in Nürnberg stoppte den Schiffsverkehr.


Es geht nach Hause

"Unseren Eisbrecher ,Von Grassmann‘ ziehen wir gerade vom Main-Donau-Kanal zurück", sagte Fröhner noch am Montagmorgen. Die "Angermünde" sollte nach einer Mitteilung der Behörde gestern noch den Haßfurter Hafen erreichen. Über Nacht, hieß es weiter, "werden aus Sicherheitsgründen keine Schleusungen durchgeführt". Gleichwohl setzt man alles daran, die Schifffahrt von Rothenfels (Marktheidenfeld) bis Bamberg weiter zu ermöglichen.
Wird die Schifffahrt auf dem Main eingestellt, müssen sich die Kapitäne rechtzeitig ein Plätzchen suchen. Im Hafen Haßfurt oder in Zeil oder in Limbach. Teils können die Schiffer ihre Autos vom Schiff holen, "außerdem kann dort beispielsweise der Trinkwassertank aufgefüllt werden", sagt Helko Fröhner.