Sabine Memmel

Terror, Gewalt, Krieg und Tod. Viele Flüchtlinge, die im Landkreis untergebracht sind, haben genau das erleben müssen und waren deshalb gezwungen, unter teilweise schwersten Bedingungen ihre Heimat hinter sich zu lassen. Und jetzt, innerhalb nur einer Woche, folgt hier in Bayern eine schreckliche Gewalttat auf die andere. Nach den grausamen Attacken in Würzburg, München und Ansbach sitzt der Schock tief. Auch bei den Asylbewerbern in Höchstadt. "Die, mit denen ich bisher gesprochen habe, sind total empört und entsetzt", sagt Wolfgang Kümmeth.
Als Leiter des Helferkreises hat er täglich mit Flüchtlingen in Höchstadt zu tun. Gemeinsam mit 15 weiteren aktiven ehrenamtlichen Helfern betreut er die Asylbewerber in der Engelgasse, der Großen Bauerngasse und in Etzelskirchen. Er warnt ausdrücklich davor, nach den Angriffen in Würzburg und Ansbach, die wohl einen islamistischen Hintergrund aufweisen, nun alle Flüchtlinge unter Generalverdacht zu stellen. Diese seien nach solchen Taten vielmehr selbst sehr verängstigt. Dass es zu einer solchen Tat in Höchstadt kommen könnte, schließt Kümmeth gänzlich aus: "Ich kann es mir bei keinem vorstellen."


Gutes Miteinander

Die Willkommenskultur in Höchstadt halte nach wie vor an. Das Zusammenleben mit den Nachbarn klappe hervorragend. Probleme hat es bisher keine gegeben. Ganz im Gegenteil. "Anwohner und Flüchtlinge laden sich immer wieder gegenseitig ein", erzählt Kümmeth.
Auch Lubna Al Hosari, Kümmerin der Stadt Höchstadt, kann das nur bestätigen. Die Angriffe in Würzburg und Ansbach machen sie auch persönlich sehr traurig. "Ich bin selbst vor dem Bürgerkrieg in Syrien geflüchtet. Das, was jetzt hier in Deutschland passiert, ist sehr schlimm", sagt Al Hosari betroffen, die mit ihren Eltern und drei Geschwistern vor über zwei Jahren nach Deutschland kam.


Sich gegenseitig kennenlernen

Beide, Al Hosari und Kümmeth, werden auch am kommenden Sonntag, 31. Juli, beim interkulturellen Frühschoppen des Helferkreises, der Musiggfabrigg und des Fränkischen Tags dabei sein. Auf dem Petersbeck-Keller wechseln sich ab 11 Uhr Kurzinterviews mit Flüchtlingen und Helfern sowie Beiträge der Mussiggfabrigg in Akustikbesetzung ab. Bei Getränken, Brezn und Weißwürsten sowie kulinarischen Spezialitäten aus den Ländern der Asylbewerber soll dann Gelegenheit sein, sich in lockerer Atmosphäre gegenseitig kennen zu lernen. Eine Veranstaltung, die vor allem das Miteinander und die gegenseitige Verständigung zwischen Höchstadtern und Flüchtlingen verstärken soll. "Solche Dinge müssen jetzt erst recht stattfinden", findet Bürgermeister Gerald Brehm (JL).
Überlegungen, den Termin nach den gewalttätigen Angriffen in Würzburg und Ansbach aus Sicherheitsgründen abzusagen, hat es nicht gegeben. "Was wäre das denn für ein Signal? Es gibt überhaupt keine Hinweise auf irgendwelche Vorkommnisse wie in Würzburg oder Ansbach", bestätigt Polizeichef Jürgen Schmeißer.
Auch für das bevorstehende Kellerbergfest und das Altstadtfest sind deshalb zunächst keine zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen vorgesehen. "Wir sollten uns nicht ins Bockshorn jagen lassen. Die Bedenken vieler Bürger sind durchaus nachzuvollziehen. Wenn wir jetzt aber zu allem, was wir im Sommer vorhaben, nicht mehr hingehen, machen wir etwas verkehrt", findet Schmeißer. Einen Grund, besorgt zu sein, gebe es aktuell jedenfalls nicht. "Wir sind trotzdem immer wachsam."