Tobias Kindermann

Irgendwo mussten die Sachen ja unterkommen und die Gelegenheit war günstig. Das Angebot kam zur rechten Zeit. "Gleich in der Nachbarschaft der Scheune befindet sich der Bauernhof meiner Schwiegereltern", sagt Monika Hanft. Dort musste Platz geschaffen werden, landwirtschaftliche Maschinen weggebracht werden. Also kauften ihr Mann und sie das alte Anwesen aus dem Jahr 1885, das einst Lagerstätte für die Brauerei Gick in Redwitz gewesen ist.


2008 gekauft

Die Brauerei gibt es längst nicht mehr, nur noch ein Schild an einer Wand erinnert daran, wer die Räume einst nutzte. Ende 2008 kaufte das Ehepaar die historische Scheune, die nicht mehr gut in Schuss war. Erst einmal wurde das Dach gemacht - und mit seinen Solarzellen liefert es nun auch Strom.
Doch dann ging es los: Freunde fragten an, ob sie Winterautos und Wohnmobile unterstellen konnten. Und ein Verwandter klopfte einmal an: Ob man nicht eine Geburtstagsfeier hier abhalten könnte? Kann man - und so kam es immer wieder dazu, dass in der Scheune auch gefeiert wurde.
"Das entwickelte dann irgendwann eine Eigendynamik", sagt Thilo Hanft. Also beschloss er, Nägel mit Köpfen zu machen und die alte Brauereischeune so herzurichten, dass man sie für Feiern vermieten kann. "Die Liste der Auflagen wurde immer länger, aber nun ist die Genehmigung durch", sagt er.
Von innen eingezogene Brandschutzmauern und -decken, Sanitäreinrichtungen - auch behindertengerecht, Kühlanlage, Lärmschutz für die Nachbarschaft - ein nicht geringer sechsstelliger Eurobetrag kam so zusammen.
Warum man das macht? "Irgendwann muss man sich entscheiden, ob man so ein Projekt verwirklicht oder ob man es sterben lässt", sagt Thilo Hanft. Die Vermietung wird kaum reichen, um die Investition wieder einzuspielen. Aber darum geht es ihm auch nicht. Der Apotheker ist im Geschichtsverein CHW engagiert, und er mag es, Leben in einen historischen Bau zu bringen.
"Mit dieser Nutzung machen wir ihn ja außerdem auch öffentlich zugänglich", sagt Monika Hanft. Man findet innen viele liebevolle Details, wie etwa eine alte Eingangstür aus einem Hamburger Hotel, auf der noch die Hausnummer 59 steht, eine alte Wand aus einer Scheune, die als Raumteiler dient, Waschbecken aus einem Düsseldorfer Flughafen - und eine Stahltreppe, die einst in einer VW-Vertretung in Berlin stand.


Ausbau mit passenden Elementen

Alles im Web gefunden, Thilo Hanft sucht dort oft nach passenden Elementen für den Ausbau. Auch alte Türen oder eine Gastrospülecke fand er so. "Das Internet ist unser Freund", meint Monika Hanft.
Werbung für das neue Angebot haben Hanfts bisher nicht gemacht: "Das läuft momentan alles über Mund-zu-Mund-Propaganda", sagt Thilo Hanft. Aber es gäbe durchaus noch freie Termine in der Kulturscheune.
Fertig ist der Umbau noch nicht, aber bald schon benutzbar. Im Juli soll hier die erste offizielle Feier stattfinden, eine Hochzeit.