von unserem Mitarbeiter Peter Groscurth

Bamberg — Wirbel um den Stromverbrauch der Bamberger Haushalte. Laut einer Studie des Versicherungs- und Energieportals preisvergleich.de soll der nämlich in der oberfränkischen Domstadt viel höher als der deutsche Pro-Kopf-Durchschnitt sein.
Spitzenreiter beim Stromkonsum sind laut der Erhebung Passau (2004 kWh), gefolgt von Bamberg (1974 kWh), Hof (1961 kWh), Straubing (1938 kWh), Bayreuth (1911 kWh) und Trier (1910 kWh). Daher müssen die Verbraucher in diesen Städten natürlich auch mehr Geld für ihren Strom ausgeben - rund 80 Euro mehr beträgt der Unterschied in der Jahresabrechnung zu den deutschen Durchschnittshaushalten.
Die Stadtwerke Bamberg reagierten mit Kopfschütteln auf diese Zahlen und können diese nicht nachvollziehen. Die Ergebnisse der Studie würden nicht mit den Daten der Bamberger Stadtwerke übereinstimmen, so Jan Giesberg, Sprecher des regionalen Energieversorgers. Aber wie kommt es zu den Resultaten von preisvergleich.de? Für die Studie wurden rund 200 000 stichprobenartig ausgewählte Strom-Verträge, welche 2014 online abgeschlossen wurden, analysiert, heißt es in einer Pressemitteilung von preisvergleich.de. Unter Berücksichtigung der durchschnittlichen Haushaltsgrößen, welche das Statistische Bundesamt oder die statistischen Landesämter ausweisen, wurde aufgrund dieser Vertrags-Angaben der Pro-Kopf-Stromverbrauch pro Stadt ermittelt. Genau hier aber könnte auch ein Fehler liegen. Denn bei einem Wechsel des Stromversorgers müssen die Kunden ihren Verbrauch für den neuen Anbieter selbst schätzen. Laut Aussage der Stadtwerke Bamberg würden "diese Schätzungen aber wohl viel zu hoch ausfallen". Dies könnte erklären, warum die Oberfranken in der Studie einen Spitzenplatz beim Stromverschwenden einnehmen, obwohl das ihre tatsächlichen Abrechnungen gar nicht belegen. Ganz im Gegenteil: "Unsere Werte sehen ganz anders aus", stellt Giersberg fest. Pro Haushalt liegt der Stromverbrauch bei 2176 kWh - nur 1236 kWh pro Kopf! Und damit würde Bamberg sogar Jena unterbieten, die Stadt Deutschlands mit dem niedrigsten Verbrauch (laut preisvergleich.de). Doch das Internet-Portal ist sich sicher, dass die eigenen Zahlen stimmen. Pressesprecherin Anette Kröning nennt Gründe für den hohen Stromverbrauch in westdeutschen Städten wie Bamberg, bezieht sich hier auf die Verbraucherzentrale Sachsen: "Im Osten gibt es modernere Geräte in den Haushalten, die weniger Energie verbrauchen und die Menschen in den neuen Ländern sparen auch mehr, machen beispielsweise häufiger das Licht aus in Räumen, die sie nicht nutzen." Allerdings handelt es sich hierbei eher um Vermutungen, denn um gesicherte Erkenntnisse. In diese Kategorie gehören auch andere Aussagen der Sprecherin von preisvergleich.de, die sie gegenüber dieser Zeitung machte: "Im Westen, also auch in Bamberg, leben mehr Rentner, bei denen ältere Kühlschränke rund um die Uhr laufen. In Leipzig dagegen wohnen jüngere Leute. Da ist das anders." Aha. Einmal in Fahrt legte die Sprecherin sogar noch nach: "Die Menschen in Franken können auch schwerer in neue Geräte investieren, weil sie in einer Region leben, die ländlich ist und stagniert." Vielleicht sollte sich die Dame erst einmal die Statistik ansehen, bevor sie nur spekuliert. Tatsache ist: Im April waren im Arbeitsagenturbezirk Bamberg nur rund 3,8 Prozent ohne Job - in Leipzig dagegen lag die Quote bei über zehn Prozent! Ach ja, eine gute Nachricht stand in der preisvergleich.de-Studie: Der Stromverbrauch Deutschlands soll im Jahr 2014 gesunken sein. Danach haben die Deutschen im Schnitt pro Kopf mit 1654 Kilowatt Strom erstmals mehr als 200 kWh gegenüber dem Vorjahr eingespart. Hoffentlich stimmt wenigstens diese Info!