Heiligenstadt — Mit der einstimmig erfolgten Billigung der Vorplanung für den Neubau einer gemeindlichen Kläranlage brachte der Marktgemeinderat jetzt ein Vorhaben auf den Weg, das mit seinem geschätzten Kostenvolumen von 4,5 Millionen Euro, einschließlich des Abbaus der alten Anlage, die Gemeinde im Leinleitertal finanziell alles abverlangen wird.

Betriebserlaubnis läuft aus

Die Maßnahme wird notwendig, weil die Betriebserlaubnis für die im Jahre 1975 errichtete Kläranlage im Ortsteil Traindorf in sechs Jahren ausläuft, die Technik der 40 Jahre alten Tropfkörperanlage längst auch wirtschaftlich als überholt angesehen werden muss und somit die vom Gesetzgeber gestellten Anforderungen an eine moderne und umweltschonende Abwasserreinigung inzwischen nicht mehr erfüllt werden können, wie Bürgermeister Helmut Krämer (CSU) diese gewaltige Investition begründete.
Die alte Anlage war demnach 1975 für 4500 Einwohnerwerte (EW) ausgelegt worden, die längst durch den Anschluss von Heiligenstadt, Traindorf, Veilbronn, Leidingshof, Siegritz, Zoggendorf, Neumühle, Reckendorf, Brunn und schon bald nach den abgeschlossenen Kanalbaumaßnahmen auch von Burggrub, Oberleinleiter und Tiefenpölz an die Grenzen ihrer Kapazität gestoßen ist.Wie Marktgeschäftsleiter Rüdiger Schmidt weiter berichtete, war außerdem bereits 2009 durch den Gemeindeunfallversicherungsverband (GUV) das Fehlen eines Explosionsschutzes im Betriebsgebäude bemängelt worden. Nicht zuletzt stand die mit einer Betriebserlaubnis bis 2020 ausgestattete Kläranlage wegen des viel zu hohen Fremdwasseranteils und der bisher auch noch nicht geklärten Problematik mit dem Klärschlamm auf dem Prüfstand, für deren Lösung längst schon der Bau eines Klärschlammbunkers angemahnt worden war.
Bürgermeister Krämer erinnerte außerdem an den Marktgemeinderatsbeschluss aus dem Jahre 2012, der sich gegen eine Sanierung der überalterten Anlage wandte, weshalb man dann auch beim Landratsamt Bamberg um eine Fristverlängerung der Betriebsdauer nachkam. Deshalb hatte man das Ingenieurbüro Miller aus Nürnberg mit der Grundlagenermittlung und Vorplanung für eine neue Kläranlage beauftragt, um noch die Anmeldefrist für die am 31. Dezember 2015 auslaufende Förderrichtlinie "RZWas 2013" am 28. November wahren zu können.
Nachdem Planer Thilo Brunner zunächst dem Gremium anhand von Aufnahmen den Zustand der alten Kläranlage erläutert hatte, kristallisierte sich auf Basis der biologischen Reinigungsstufe die Variante mit einem Durchlaufverfahren (Belebtschlamm) heraus, wobei die mechanische Reinigung über eine Kompaktanlage aus Edelstahl erfolgt, in der die Grobstoffe aus dem Wasser gesiebt und mittels einer Rechengut-Waschpresse gewaschen werden.
Anschließend erfolgt dann die Sand- und Fettabscheidung aus dem Abwasser. Der dabei anfallende Klärschlamm, auch aus den drei anderen Kläranlagen Herzogenreuth, Oberngrub und Teuchatz, wiederum wird künftig in einer extra Entwässerungsmaschine kontinuierlich getrocknet und in Containern zwischengelagert.

Trinkwasser weiter abkochen

Zu guter Letzt machte Geschäftsleiter Schmidt noch darauf aufmerksam, dass das Trinkwasser in den Ortschaften Kalteneggolsfeld, Oberngrub und Teuchatz nach wie vor, wenn auch mit nur mit einer geringen Anzahl coliformer Keimen belastet ist, weshalb das Wasser in den drei belasteten Ortsteilen und in Dürrbrunn noch bis auf weiteres gechlort und abgekocht werden muss. fra-press