In der Woche vom 21. bis 26. Februar absolvieren die Schüler der 8. Klassen der Ritter-von-Spix-Mittelschule in Höchstadt ihr Praktikum. Einer von ihnen ist Nawar A., ein unbegleiteter 16-jähriger Flüchtling aus Damaskus. Er lebt seit ungefähr neun Monaten in Deutschland, davon sechs Monate in Aisch in einer Wohngemeinschaft, die vom Puckenhof betreut wird. Seit dieser Zeit besucht er auch die Mittelschule in Höchstadt.
Der junge Syrer ist freundlich und aufgeschlossen. Deutsch spricht er schon recht gut. "Ich hab mich hier im Buchladen vorgestellt und Herr Schmidt hat gleich zugesagt", strahlt Nawar. "Mir gefällt es sehr gut und mein Chef ist sehr nett", verrät er. Seine Aufgaben sind die Wareneingangskontrolle, Bücher auspacken und dann einsortieren. "Das tut ihm gut und so kann er spielerisch sein Deutsch verbessern", so Christian Schmidt, der im Verein "Adelsdorf hilft" Sprecher des Arbeitskreises "Bildung" ist und so gerne etwas zur Integration beiträgt.
Nawar feierte am 29. Januar seinen 16. Geburtstag. Der junge Mann hat die Eltern und seine kleine Schwester in Damaskus zurückgelassen. Er, seine ältere Schwester und sein großer Bruder sind vor einem Jahr getrennt aufgebrochen und Nawar hat zusammen mit einem Freund eine mehrwöchige Odyssee durch den Libanon, die Türkei und Griechenland hinter sich.
"Von Izmir aus machten wir uns in einem kleinen Boot - der Motor war ganz schlecht - mit mehreren Leuten auf den Weg nach Griechenland. Für die Überfahrt musste viel Geld bezahlt werden, deshalb konnten wir auch nicht alle gemeinsam fliehen. In Athen blieben wir zwei Tage, und von dort aus flogen wir weiter nach Frankfurt. Dort traf ich mich mit meiner Schwester, bin aber dann zur Polizei gegangen und die hat mich in ein Haus mit insgesamt neun jungen Flüchtlingen gebracht. Drei Monate später landete ich dann in Aisch", erzählt Nawar.
In die Schule geht er gern. Die Lehrer und auch die Mitschüler seien nett und hilfsbereit. "So ganz ohne Deutsch war es am Anfang schon schwierig", meint er. Aber Nawar ist ein fleißiger Schüler und er hofft, bald in den M-Zweig an der Schule wechseln zu dürfen. In Damaskus besuchte er das Gymnasium.
"Ich möchte einmal Abitur machen und Pilot werden", verrät er. In der Wohngemeinschaft ist er der einzige Syrer und dort hat er weniger Freunde als in der Schule. Sein größter Wunsch ist es, einmal mit seinen Geschwistern und natürlich mit seinen Eltern wieder zusammen zu leben - wo ist egal. Obwohl er mit seinen Eltern in Damaskus per Internet und Handy im Kontakt ist - es geht ihnen den Umständen entsprechend gut - plagt ihn des Öfteren das Heimweh.