von unserem Redaktionsmitglied 
Gertrud Glössner-Möschk

Bamberg — Was kann man an einem (fast) trockenen Spätsommertag Schöneres tun, als durch einen schon leicht herbstlichen Wald zu wandern? 36 Leser unserer Tageszeitungen unter dem Dach der Mediengruppe Oberfranken (MGO) haben die Einladung angenommen und schnürten die Wanderstiefel, um unter Leitung von Helmut Klösel am Samstag den Bruderwald zu erkunden.
Die zwölf Kilometer lange Strecke kreuz und quer durch den herbstlichen Wald im Süden der Stadt stellten für niemanden eine übergroße Anstrengung dar, auch nicht für die älteste Teilnehmerin mit ihren 90 (!) Jahren. Und der Samstagmorgen erwies sich als die ideale Zeit für einen ausgedehnten Spaziergang durch den städtischen Wald, weil dieser - anders als an anderen Wochentagen und zu anderen Tageszeiten - nicht so stark von Erholungssuchenden frequentiert ist. So hatten am Samstagvormittag die MGO-Wandervögel die Waldwege für sich allein.
Die Zeit verging wie im Flug: Das meist ebene Gelände ohne große Steigungen und die gepflegten Waldwege ermöglichten, dass die Wanderer miteinander ins Gespräch kamen. Außerdem hatte Wanderführer Helmut Klösel hinter fast jeder Wegbiegung eine neue Geschichte oder interessante Informationen parat: am Bierkrugtempel, auf dem Weg am Waldrand nahe Höfen, wo ein Bamberger Unternehmen den Feldweg mit ausgemusterten Keramiksicherungen "gepflastert" hat, oder am alten Forsthaus in Bug. Dort erzählte Klösel, wie er in der Nachkriegszeit oft den sogenannten Holzleseschein abholen musste für die Erlaubnis, im Bruderwald Feuerholz zu sammeln.
Die verdiente Rast wurde auf dem Pettstadter Keller gemacht, wohin eine Werkstudentin der MGO Getränke und Brezen für die Stärkung der Wanderer gebracht hatte. Weil der früher bestehende Fußweg von Pettstadt durch den Wald nach Bug derzeit nicht begehbar ist, nahmen die Wanderer den Radweg unter ihre Füße, gesichert von einem eigens ernannten Hintermann mit Warnweste.
Letzter Höhepunkt der Leserwanderung war der Besuch der Hoffmannsklause auf dem Campingplatz Insel in Bug. Betreiber Peter Hoffmann begrüßte die Gäste, zeigte ihnen Kunstwerke seines Vater und schilderte dessen Bedeutung für die Bamberger Kunstszene in der Nachkriegszeit.
Manche stimmten sich dann am malerischen Ufer der Regnitz mit einem Glas Federweißer auf den zwei Kilometer langen Rückweg zum Parkplatz am Bruderwald ein. Selbst die am weitesten gereisten Teilnehmer - ein Ehepaar aus Hammelburg - bereuten nicht, dass sie nach Bamberg zu dieser Wanderung gekommen waren. Und das nächste Mal wollen alle wieder mit dabei sein. Eine Teilnehmerin, die vor Kurzem in den Ruhestand gegangen ist und seitdem den Fränkischen Tag regelmäßig als Abonnentin liest, lobte das Engagement der MGO: "Die machen jetzt schon viel für ihre Leser!"
Nur einen einzigen Wermutstropfen gab es für Wanderführer Helmut Klösel: Es gab wesentlich mehr Interessenten als die 40 Teilnehmer, die an der Wanderung teilnehmen durften, und es wurde eine Warteliste angelegt. Leider fehlten einige der Angemeldeten unentschuldigt. Da sie sich nicht abgemeldet hatten, konnte niemand von der Warteliste zum Zuge kommen.