Beim Bahnausbau schaut derzeit jeder auf Zapfendorf, Ebing und Breitengüßbach. Auch im südlichen Landkreis Bamberg verfolgt man aufmerksam, was dort an der Baustelle passiert. Denn auch für Altendorf, Buttenheim, Hirschaid und Strullendorf rückt der Ausbau der ICE-Trasse - zwar langsam, aber scheinbar unaufhaltsam - näher. Von Süden her hat die Baustelle inzwischen Baiersdorf erreicht und im Landkreis Forchheim laufen erste Vorbereitungsarbeiten. Doch wann wird die Baustelle den Landkreis Bamberg erreichen?
"Ende 2016", wie es noch vor Jahresfrist auf der Internetseite zum Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 8 (VDE 8) über den "Planfeststellungsabschnitt 21 Altendorf - Hirschaid - Strullendorf" hieß, wird wohl definitiv noch kein Bagger rollen. Zwar sollen in den kommenden zwei Jahren neue elektronische Stellwerke in Eggolsheim und Strullendorf gebaut werden, aber der eigentliche viergleisige Ausbau der Trasse wird "voraussichtlich ab 2018" erst in Angriff genommen werden. So heißt es jedenfalls in einem Papier der Bahn vom September 2015 zum Projektabschnitt Forchheim - Strullendorf, das dem Fränkischen Tag vorliegt.


Planfeststellung steht an

Ganz offiziell heißt es derzeit sogar: "Für 2016 ist der Baubeginn für den viergleisigen Ausbau zwischen dem Bereich Baiersdorf und dem Bahnhof Forchheim vorgesehen. Mit der Fertigstellung dieses Abschnitts folgt ab 2019 der Ausbau zwischen Bahnhof Forchheim und Eggolsheim." Demnach ist mit einem Weiterbau von der Landkreisgrenze zwischen Eggolsheim und Altendorf bis nach Strullendorf in diesem Jahrzehnt eigentlich nicht mehr zu rechnen.
Worauf sich die betroffenen Gemeinden allerdings einstellen müssen, ist das Planfeststellungsverfahren. Mit diesem wurde ursprünglich schon ab dem Jahr 2014 gerechnet. Jetzt ist die Eröffnung zwar immer noch nicht in Sicht, aber aus den Erfahrungen, die etwa im nördlichen Landkreis gemacht wurden, wird die Bahn weitgehend mit ihren ursprünglichen Plänen in das Verfahren gehen. Es bleibt also keine Zeit für die Kommunalpolitiker vor Ort, sich erst mal entspannt zurückzulehnen.
So soll etwa die Bahn bei einem Gespräch, das vor kurzem in Berlin mit Politikern aus der Region und den betroffenen Bürgermeistern stattgefunden hat, auf eine Gleichbehandlung der Kommunen an der Ausbaubaustrecke hingewiesen haben. Was schön klingt, bedeutet zum Beispiel beim Lärmschutz, dass der eigentlich bereits zum 1. Januar 2015 abgeschaffte sogenannte Schienenbonus auch noch im südlichen Landkreis zum Tragen kommen. Der Schienenbonus besagt, dass an Bahnstrecken erst an einem im Vergleich zum Straßenverkehr um fünf Dezibel (dB(A)) höheren Schallpegel Lärmschutzmaßnahmen gesetzlich vorgeschrieben sind.


Streitpunkt Bahnübergänge

Im Planfeststellungsbeschluss für die Ausbaustrecke im nördlichen Landkreis wurde er trotz des Protestes der betroffenen Gemeinden festgeschrieben. Nun gilt der Wegfall des Schienenbonus' für alle neu eingeleiteten Planfeststellungsverfahren. Doch die Bahn wird sich auch im südlichen Landkreis darauf berufen, dass es sich nicht um ein neues Feststellungsverfahren, sondern lediglich um ein Änderungsverfahren zu dem Planfeststellungsverfahren aus den 1990er-Jahren handelt.
Weitere Knackpunkte entlang der Strecke sind beispielsweise die Bahnübergänge in Altendorf und Strullendorf. So soll nach den bisherigen Bahnplänen etwa der Bahnübergang Jurastraße in Altendorf lediglich durch eine Fußgänger- und Radfahrerunterführung ersetzt und der Autoverkehr komplett auf eine Überführung südlich des Ortes verlegt werden. Die Gemeinde Altendorf beharrt jedoch darauf, dass die Unterführung Jurastraße weiterhin zumindest "bedingt Kfz-fähig" geplant wird. Ausgeschlossen werden solche Planungen von der Bahn nicht, die Frage ist nur, wer die Kosten trägt. Wenn Gemeinden dafür bezahlen, bekommen sie fast jeden "Sonderwunsch" erfüllt.
Schwierigkeiten gibt es auch in Strullendorf. Die Bahn will den alten Bahnübergang Stockweg beseitigen und dafür die Unterführung Auweg ausbauen. Die Gemeinde wünscht aber eine Südanbindung zum Gewerbegebiet weiter südlich. Die Bahn will darum wie gehabt ins Planfeststellungsverfahren gehen. Zumal für eine Südanbindung die Frage des Wasserschutzgebietes - gegen das sowohl Strullendorf als auch die Bahn geklagt haben - noch nicht endgültig geklärt ist.