Anderen Menschen, vor allem Asylbewerbern, Wissen zu vermitteln und somit eine Zukunft ermöglichen - dies wurde zu einer Herzensangelegenheit für den 19-jährigen Schüler Ahmet Özilban. Er besucht die elfte Klasse des Theresianum in Bamberg. Gemeinsam mit seinen Mitschülern und der Lehrerin Lisa Ellis bieten sie nun eine kostenfreie Nachhilfe für Asylbewerber und Schüler bis zur elften Klasse an. Diese findet jeden Mittwoch von 17 bis 18 Uhr statt. Wir führten ein Gespräch mit Ahmet Özilban.

Worum geht es bei dem Projekt?
Ahmet Özilban: Es geht darum, Menschen eine Zukunft zu ermöglichen, vor allem Asylbewerbern. Wir geben Nachhilfe in den wichtigsten Fächern - das heißt Mathe, Deutsch und Englisch. Wenn allerdings jemand zu anderen Fächern Fragen hat, wie zum Beispiel in Chemie und wir das vorher wissen, dann setzen wir uns mit dem Thema auseinander, um die Fragen zu beantworten.

Wer ist an dem Nachhilfeprojekt beteiligt?
Meine Mitschüler und ich belegen das P-Seminar "Integration Nachhilfe" bei unserer Lehrerin Lisa Ellis. Am Anfang des Schuljahres waren wir eine kleinere Gruppe. Dann haben wir Aufrufe zur Unterstützung gestartet, zum Beispiel über Facebook. Mittlerweile sind wir um die 30 Nachhilfelehrer. Wir sind selbst alle Schüler. Das einzig Wichtige dabei ist, dass man Wissen hat und dieses gut vermitteln kann. Man darf dabei nie die Geduld verlieren. Wir suchen noch immer Nachhilfelehrer, die gerne ihr Wissen weitergeben möchten. Auch Asylbewerber sind herzlich eingeladen zu kommen. Wir bitten darum, dass Interessenten im Vorfeld eine Mail an exchange@theresianum.de schreiben, damit wir dementsprechend planen können.
Wie wird das Angebot angenommen?
Ich bin wirklich fasziniert, wie groß die Nachfrage ist und vor allem wie motiviert die Flüchtlinge sind etwas zu lernen. Ich hatte zum Beispiel einen Nachhilfeschüler im Fach Mathe, dieser war krank. Als er mich anrief, dass er leider nicht kommen könne, sagte ich nur, dass das schade sei und dass ich ihm heute gerne etwas Neues beigebracht hätte. Daraufhin ist er, obwohl er krank war, gekommen um etwas zu lernen.
In Deutschland wollen die meisten nicht zur Schule gehen. Aber eigentlich ist es nicht selbstverständlich, die Möglichkeit zu haben, etwas zu lernen. Einige Asylbewerber, zum Beispiel ein 26-Jähriger, möchten nun ihr Abitur nachholen und lernen mit uns. Hier sind Nachhilfeschüler jedes Alters. Die meisten sind zwischen 18 und 19 Jahren alt, aber wir haben auch Kinder, die hier in die Grundschule gehen und bei uns Nachhilfeunterricht nehmen, beispielsweise in Deutsch.

Wie wird das Problem der Sprachbarriere gelöst?
Es ist erstaunlich, wenn Menschen wirklich etwas lernen möchten, dann ist das selbst ohne viele Sprachkenntnisse möglich. Wir finden immer Mittel und Wege uns zu verständigen. Hier ist es wichtig, dass man beim Erklären und Lernen alle Sinne mit einbezieht. Zum Beispiel haben wir ein Wörterbuch, das auf dem Sprachniveau eines Grundschülers basiert. Allerdings sind in diesem Buch auch viele Bilder zur Erklärung vorhanden. Außerdem sind das Nachfragen, ob der Schüler wirklich auch alles verstanden hat, und das erneute Erklären sehr wichtig.

Das Gespräch führte
Annabelle Gunzelmann