Mehr als 30 Jahre war Heinz Tischler Leiter der Volkshochschule im Landkreis Kronach. Am Samstag wurde er in der "Alten Markthalle" im Historischen Rathaus in den verdienten Ruhestand verabschiedet. Mit dabei waren neben Landrat Oswald Marr (SPD) auch Gäste aus der Industrie oder weit angereiste aus Zypern und Ungarn. Die Vorsitzende des gemeinnützigen Trägervereins der VHS-Kronach freute sich über so viele Gäste und hob das Engagement von Tischler hervor. Er habe es verstanden, die fast 200 Mitglieder, Dozenten und Mitarbeiter immer wieder neu zu motivieren.


Große Fußstapfen

Neben seiner beruflichen Tätigkeit engagiere sich Tischler ehrenamtlich in ganz unterschiedlichen Einrichtungen des Landkreises und habe über dieses Netzwerk die Ziele und Anliegen der VHS stets gut vertreten können. Zum Festakt wurde auch Tischlers Nachfolgerin Annegret Kestler als hauptamtliche pädagogische Mitarbeiterin vorgestellt. Diese dankte Tischler für dessen "hervorragende Unterstützung" bei ihrer Einarbeitung, die seit April dieses Jahres gut laufe.
Der Zweite Vorsitzende Ralf Völkl ließ den Werdegang des scheidenden Leiters kurz Revue passieren. Mit Schmunzeln und Augenzwinkern zur Nachfolgerin Kestler sagte Völkl, dass Tischler 1986 die Nachfolge von Heinz Stenglein antrat - der auch 30 Jahre Geschäftsführer war. Also liege der Trend bei drei Jahrzehnten. Sie sei jetzt 33 Jahre jung und bringe somit beste Voraussetzungen mit, etwa gegen 2046 verabschiedet zu werden. Es seinen große Fußstapfen, in die sie treten werde. Tischler habe mit größtem Erfolg gearbeitet und sei mit Leib und Seele, aber auch mit viel Tatkraft und Kreativität und immer mit dem Blick über den Tellerrand hinaus auf der Suche nach Neuem und Innovationen gewesen. Gemäß dem Motto "Wo ich bin, ist vorne" war der VHS-Leiter stets für neue Betätigungsfelder, neue Methoden und Techniken aufgeschlossen. So entstanden unter seiner Führung oder Mitwirkung durch die VSH Projekte wie "Teleservice Kronach" und der Bürgernetzverein. Vor allem aber sein Engagement als überzeugter Europäer war von großem Erfolg gekrönt. Er trat dabei für die Pflege der Städtepartnerschaften mit Hennebont (Frankreich) und Kiskunhalas (Ungarn) ein.
Intensiv habe er die Förderung des Europäischen Sozialfonds (ESF) für die Intensivierung der beruflichen Bildung genutzt. Für über 3000 Teilnehmer aus fast 50 Betrieben sei es gelungen, rund 530 000 Euro an Fördermitteln in den Landkreis zu holen. "Er griff aber auch aktuelle Probleme an", sagte Völkl. "Die VHS bietet als einzige Einrichtung in der Region Integrations- und Sprachkurse sowie die Vorbereitung zu Einbürgerungstests und deren Durchführung an, die auch von den Landkreisen Kulmbach und Lichtenfels genutzt werden."


Bedeutender Wirtschaftsfaktor

Unter Tischlers Leitung sei die VHS zu einer der bedeutendsten Einrichtungen ihrer Art in ganz Bayern geworden. 70 Prozent ihres Umsatzes von über einer Million Euro habe die VHS selbst erwirtschaftet. Damit sei sie ein bedeutender Wirtschafts- und Standortfaktor. 2009 erhielt sie den Titel "Deutschlands erfolgreichste VHS".
Landrat Oswald Marr würdigte den "Kapitän" der VHS, dessen Schiff im Landkreis und weit darüber hinaus geschätzt wird. Die VHS habe eine hohe kommunalpolitische Bedeutung und wirke über die Bildungsbereiche einer Schule hinaus und habe sich in wesentlichen Bereichen in die Gesellschaft eingebracht.
Weitere Laudatoren waren Verbandsdirektor Wilhelm Lang, für die Regierung von Oberfranken Klemens Borsig sowie für die Lorenz- Kaim- Berufsschule Schulleiter Rudolf Schirmer. Borsig nannte Tischler einen Global Player mit großen Verdiensten um die Erwachsenenbildung.