Seit über 30 Jahren hat sich der Höchstadter Verein Pro musica der Förderung des Musikgenusses verschrieben. Ein Aspekt dabei ist die Förderung des Nachwuchses. Vier junge Leute stellte er am Sonntag im Schlossgewölbe vor. Gemeinsam ist ihnen, dass sie alsbald zu Prüfungen antreten müssen.
Andrea Schrott hat 2010 in Höchstadt Abitur gemacht und studiert seither an der Musikhochschule in Würzburg Klavier. Demnächst steht das Schlussexamen an. Mit dem musikalischen Lebensweg der jungen Frau hat eines der vorgetragenen Stücke viel zu tun: Claude Debussys L'Isle Joyeuse.
Aus einem Referat über den Impressionismus erwuchs der Wunsch, dieses Werk selber spielen zu wollen. Damals war das nur ein Wunsch. Zu Beginn des Studiums, so berichtete Schrott, wagte sie sich mit ihrer Lehrerin erstmals daran und - scheiterte. Doch nun - kurz vor dem Abschluss - präsentierte sie das eindrucksvolle Klanggemälde einem begeisterten Publikum.
Ganz anders, so verriet sie, ist es mit Franz Liszts "Un Sospiro", Konzertetüde Nr. 3. "Das Stück hat der Klaviervirtuose ganz auf Show angelegt - mit dem ständigen Übergreifen". Zumindest im Vergleich zu Debussy ist es nicht schwierig, beeindruckt aber optisch ungemein. Der Höhepunkt ihres Auftritts war Felix Mendelssohns Fantasie op. 28 fis-Moll, die der Komponist ursprünglich schottische Sonate genannt hatte.


Schottisch klingt es nicht

Auch hier ließ die junge Künstlerin ein wenig hinter die Kulissen der Musikwissenschaft blicken. Forschte doch einer solange, bis er eine leere Quint, den typischen Dudelsackklang, fand, und untermauerte damit seine These von der schottischen Beeinflussung. Auch nach diesem Vorwort blieb das Publikum mit Schrott einer Meinung: Das Stück ist wunderschön, ruft Naturerlebnisse ins Gedächtnis, aber schottisch klingt es nicht.
Den ersten Teil des Abends bestritten drei Gymnasiasten. Sie haben das sogenannte Aditum gewählt und müssen für einen Abschluss im Fach Musik neben theoretischen Arbeiten auch in jedem Semester eine praktische Prüfung ablegen.
Amelie Geier hat die Querflöte gewählt. Drei ihrer Prüfungsstücke trug sie vor. Sehr traditionell und seiner Zeit verbunden erklang der erste Satz aus C. P. E. Bachs Hamburger Sonate in G-Dur; ein Sprung 2000 Jahre zurück in die Vergangenheit war dann Debussys "Syrinx".
Das Werk ist so komponiert, als wäre die metallene Querflöte aus Rohr, wie sie die Hirten der Antike spielten. Mit dem ersten Satz aus Paul Hindemiths Sonate für Flöte und Klavier schlug Geier dann den Bogen zur musikalischen Neuzeit.
Der Hingucker im wörtlichen Sinn war Stefan Arnold mit seinem Percussionsequipment: Xylophon, Pauken, Gong und ein ganzes Drumset. Durch vier ganz unterschiedlich strukturierte Stücke machte er hörbar, dass Percussionsinstrumente nicht nur für den rhythmischen Hintergrund eingesetzt werden können. Am meisten beeindruckte er mit Gerhard Stengers "Unusual Timpani Groove". Hatte schon Amelie Geier mit Syrinx eine ungewöhnlcihe Klangwelt angerissen, setzte der meditative Anfang des Grooves diese Empfindungen fort, um dann die volle Wucht der Instrumente hörbar und fühlbar zu machen. Arnold überlegt sich im Gegensatz zu seinen Schulkollegen, ob er nicht die Musik zu seinem Beruf machen soll.


Die Stimme als Instrument

Erik Ranger hat als Prüfungsinstrument die menschliche Stimme gewählt. Kennt man Gleichaltrige, weiß man, dass das eine besonders mutige Entscheidung war. Und er setzte gewissermaßen noch eins drauf mit Sarastros berühmter Arie "In diesen heil'gen Hallen". Mozarts Komposition ist für viele einfach der Inbegriff der Bassarie. Als Kontrast setzte Ranger das Lied dagegen, er wählte Hugo Wolfs "Musikant" und die doch vom Jazz geprägte Gershwin Oper "Porgy and Bess". "I got Plenty o' Nuttin'" ist sein Stück, ist die Art von Musik, die ihm liegt, spürte man ab den ersten Noten.