von unserer Mitarbeiterin Ines Krämer

Ziegelanger — Musik mit Herz bot am Samstag die Heimatkapelle Ziegelanger im Rudolf-Winkler-Haus in Zeil. Zu Gast beim sechsten Herbstkonzert des Musikvereins aus dem Zeiler Stadtteil war die Kapelle "Blasmusik Kraisdorf".
Passend zur Jahreszeit gestalteten sowohl die Heimatkapelle Ziegelanger als auch die Gastkapelle aus Kraisdorf ein buntes Programm. Auf Einladung der Heimatkapelle übernahmen die Musiker aus Kraisdorf unter der Leitung von Dirigent Gerhard Eller den ersten Teil des Konzertes. Die 32-köpfige Blaskapelle begann den Abend mit dem beschwingten Potpourri "Golden Hits". Ein Mix aus raschen Polkas und einem flotten Marsch sorgten für heitere Stimmung, welche die Zuhörer passend zum Rhythmus in die Hände klatschen ließ. Für Abwechslung sorgten "Unvergängliche Heymann-Melodien", denn Gitarrist Joachim Bernhard benutzte hier ein Instrument, das in einer Blaskapelle wohl eher selten anzutreffen ist: ein Megafon.
"Die hohe Tonart des Stückes hat mich an den Klang von Schellackplatten erinnert. Und dann bin ich auf die Idee gekommen, das Stück mit Hilfe meiner Stimme durch das Megafon aufzupeppen", sagte Joachim Bernhard mit einem Schmunzeln. Verzerrt klang der Gesang aus dem Megafon.
Eine ganz besondere Überraschung hielt die Blasmusik aus Kraisdorf gegen Ende des ersten Teils bereit: ein Alphornsolo. Das vier Meter lange Instrument brachte viele Zuhörer zum Staunen, zumal ein Alphorn in den Haßbergen wohl eine Seltenheit darstellt. Auch der 22-jährige Alexander Mohr aus Zeil musste gestehen: "Ich bin zwar Ziegel-anger-Fan, aber so ein Alphorn ist natürlich schon ein Highlight. Hier machen halt noch Menschen Musik, und nicht der Computer."
Mit dem "Brucker-Lager"-Marsch im flotten Sechs-Achtel- Takt holte die Heimatkapelle Ziegelanger die Zuhörer von der Pause ab. Auf lustige und charmante Weise führte Karlheinz Markl durch den zweiten Teil des Herbstkonzertes. Mit kleinen Anekdoten oder auch Gedichten sorgte er für Hintergrundwissen zu Komponist und Entstehung der einzelnen Stücke. Die 26 Musiker spielten unter der Leitung von Dirigent Ernst Ullrich eine bunte Mischung aus traditioneller Volks- und Blasmusik bis hin zur modernen Unterhaltungsmusik.
Fröhliche, leichte Melodien des Walzers "Im Rosengarten" dürften den einen oder anderen zumindest gedanklich auf das Tanzparkett gezogen haben. Auf eine Schnell-Polka namens "Katharinen-Polka" folgte das komplette Gegenteil: 1993 machte Mariah Carey ihre Version von "Without You" publik - am Samstag war es die Heimatkapelle Ziegelanger, die das Stück auf ihre eigene Weise präsentierte. Als letztes von elf Stücken spielten die Musiker in ihrer mehrfachen Instrumentenbesetzung für Blasmusik eine Rock-Polka. Sie spiegelte das Motto des Abends wider, denn das Stück hieß "Musikanten mit Herz". Denn trotz der eher kleinen Zuhörerschaft waren alle Musiker mit Freude und Herzblut dabei. Einer davon ganz besonders: Mit seinen neun Jahren ist Antonio Echaniz-Gerhard das jüngste Mitglied. Schon seit vier Jahren besetzt er das Schlagzeug der Heimatkapelle. Was ihm daran am besten gefällt? "Da kann ich so richtig schön Krach machen", sagt der junge Musiker mit einem Grinsen. Und das ist er durch und durch, schließlich spielt er noch Klavier, Tenorhorn und Posaune.
Begeisterung für Musik zeigte auch Monika Oppermann aus dem Publikum: "Es ist einfach schön und bemerkenswert, dass sich Menschen heutzutage noch so viel Zeit nehmen, um miteinander Musik zu machen." Das Publikum forderte eine Zugabe, und so spielte die Kapelle das Stück "Trara es brennt" zu Ehren der Feuerwehr Ziegelanger. Und weil die Musiker mit Herzblut dabei waren, spielten sie das Stück mit Feuerwehrhelmen.