"Ein bisschen mehr Klarheit im Begriffs-Wirrwarr und eine klare Aussage zu den Entscheidungsprozessen von höchster Stelle" sieht der Landtagsabgeordnete Hans-Jürgen Fahn (Freie Wähler, Miltenberg) in einer Antwort der bayerischen Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) auf seine schriftliche Anfrage zum Ablauf des Welterbe-Prozesses für den Steigerwald. Fahn hatte, wie er unserer Zeitung mitteilte, nach dem Entscheidungsprozess sowie nach den Voraussetzungen für die Varianten Weltnatur- und Weltkulturerbe gefragt.
Die Ministerin machte laut Fahn in ihrer Antwort eindeutig klar, dass die Entscheidung, ob die Region in die Welterbe-Bewerbung eintritt und welches Welterbe angestrebt wird, allein bei den politischen Vertretern der Region liege. Auch stehe die Staatsregierung zu der Übereinkunft, die der Ministerpräsident Horst Seehofer, die Minister Brunner und Scharf mit den Landräten aus Bamberg, Haßberge und Schweinfurt trafen. Demnach soll im Steigerwald kein Nationalpark ausgewiesen werden.
Ein Weltnaturerbe müsse, so zitiert Hans-Jürgen Fahn die Ministerin, mindestens durch ein Unesco-Biosphärenreservat oder einen Nationalpark geschützt werden. Ein Biosphärenreservat müsste eine Gesamtfläche von mindestens 30 000 Hektar haben. Das bedeute, dass bei einer Ausweisung eines Biosphärenreservates wohl auch Privatflächen in größerem Umfang betroffen wären. Für die Waldnutzung bedeute ein Biosphärenreservat eine Stilllegungsfläche von mindestens 900 Hektar (drei Prozent von mindestens 30 000 Hektar Gesamtfläche). Außerdem seien in der wesentlich größeren Einwicklungszone weitere Einschränkungen nötig. Ein Nationalpark wäre mit mindestens 10 000 Hektar Fläche zwar kleiner, dort müssten aber 75 Prozent aus der Nutzung genommen werden, also 7500 Hektar, so die Ministerin in ihrem Schreiben an Fahn. Als Weltnaturerbe kommen überragende Naturerscheinungen, Gebiete von außergewöhnlicher Naturschönheit oder außergewöhnliche Zeugnisse ökologischer und biologischer Prozesse in Frage.
Als Weltkulturerbe zeichne die Unesco, wie es weiter heißt, herausragende Zeugnisse der Menschheitsgeschichte aus. Das können Bauwerke, historische Siedlungen oder auch Kulturlandschaften sein. Neben dem materiellen gibt es auch das immaterielle Weltkulturerbe; das können beispielsweise sprachliche Besonderheiten oder Bräuche sein.
Im Rahmen der Kulturland-schaftsinventarisation werden derzeit die Besonderheiten der Steigerwald-Region erfasst. Erst dann können die nächsten Schritte angegangen wäre.
Die Landkreise und die Kommunen in der Region haben sich den Angaben zufolge mehrheitlich für den Titel "Weltkulturerbe" ausgesprochen. Der Titel "Weltnaturerbe" werde in der Region abgelehnt, weil dafür die Ausweisung eines Großschutzgebietes erforderlich ist, teilte das Ministerium an Fahn weiter mit.
Allerdings: Der Bund Naturschutz und der Nationalparkverein Nordsteigerwald machen sich nach wie vor für einen Nationalpark Steigerwald stark. ks