Josef Hofbauer

Unter dem Strich erwirtschaftete die Abfallwirtschaft des Landkreises im Vorjahr ein Defizit von 354 434 Euro. Dies erklärte Heinrich Kögel, Fachbereichsleiter Abfallwirtschaft bei der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Natur. Größte Ausgabeposten sind die Kosten, die bei der Verbrennung des Materials im Müllheizkraftwerk Bamberg anfallen. Pro Jahr sind das rund 2,2 Millionen Euro.
Die gute Nachricht: Das Defizit ist gedeckt durch eine Rücklagenentnahme aus dem Überschuss, der sich durch eine zu großzügig kalkulierte Müllgebühr ergeben hatte. Dies hatte 2007 zu einer Senkung der Müllgebühren um 20 Prozent geführt.
"Die Mitarbeiter dieser Abteilung haben toll gewirtschaftet", lobte Landrat Hermann Ulm (CSU). Ursprünglich war das Gremium davon ausgegangen, dass die Rücklagen in fünf Jahren aufgebraucht sein würden. Doch zu Jahresbeginn 2015 waren immer noch knapp 1,25 Millionen auf dem Konto. Davon wird das Betriebsdefizit und eine Rückstellung für die Verfüllung der Deponie, wenn sie voll ist, finanziert.


Rücklagen reichen für 2016

"Vermutlich kommen wir auch dieses Jahr mit den Müllgebühren und einer Rücklagenentnahme klar", informierte Kögel. Aber dann seien die Reserven aufgebraucht, so dass die Müllgebühren neu kalkuliert werden müssten. Damit wurde Sabine Kögl vom der AU-Consult (Abfall und Umwelt) in Augsburg beauftragt.
Ausgehend von einem jährlichen ungedeckten Finanzbedarf von rund 8,7 Millionen Euro verteilte die Diplomingenieurin diesen Betrag auf die Grundgebühr, die Gebühren für Restmüll und Biomüll sowie die Einnahmen der Selbstanlieferer. Dabei wurden die Entsorgungskosten um 18 Prozent höher als zurzeit angesetzt. "Die Gebühren sind vorsichtig kalkuliert", versicherte Sabine Kögl. Dies heißt: "Die Einnahmen reichen auf alle Fälle, um sämtliche Ausgaben zu decken."
Dennoch sind die neuen Preise auf dem Niveau von 1997. "Also seit 20 Jahren keine Erhöhung der Müllgebühren", stellte Landrat Hermann Ulm erfreut fest. Er zeigte scih zuversichtlich, dass die Mitarbeiter dieser Abteilung auch in Zukunft so sparsam wirtschaften werden wie bisher.
Für Erklärungsbedarf sorgten die Gebühren-Ansätze, die unterschiedlich stark anbgehoben werden sollen. Während die Kosten für die 80-Liter-Restmülltonne nur um 19 Prozent steigen, klettert die Gebühr für die 60-Liter-Tonne, die ebenfalls nur im 14-tägigen Turnus geleert wird, um 28 Prozent.


Keine lineare Erhöhung

Zum einen, erklärte Sabine Kögl, seien die Kosten den Produktgruppen zugeordnet worden, wo sie auch tatsächlich anfallen. Zum andere sollte vermieden werden, dass die 120-Liter-Tonne doppelt so viel kostet, wie die 60-Liter-Tonne. Allerdings sei diese Kalkulation erst ein Vorschlag, über den noch diskutiert werden könne. Kreisrat Sebastian Körber (FDP) fiel eine exorbitante Steigerung der Gebühren bei Problemabfällen auf. Statt 245 Euro sollen die Anlieferer künftig 1500 Euro pro Tonne bezahlen.
"Eine Sicherheitsmaßnahme, dass die Bürger des Landkreises Forchheim nicht ausgenutzt werden", begründete Sabine Kögl. Unternehmen könnten bisher ihren Sondermüll zu extrem günstigen Konditionen los werden. Da die Schadstoffe in Gosberg nur entgegengenommen und zur Entsorgung weiter- transportiert werden, bleibe der Landkreis auf den tatsächlichen Kosten sitzen. Das soll durch die Neuregeleung, die den tatsächlichen Kosten angepasst sei, vermieden werden.


Künstlerische Fasern

Kreisrat Konrad Rosenzweig (CSU) sorgte sich, dass künstliche Mineralfasern (z. B. in Heraklith-Platten) in der Landschaft deponiert würden, wenn der Preis auf 308 Euro pro Tonne angehoben würde. Bisher zahlen Anlieferer 148 Euro pro Tonne. "Sind wir zu billig, subventionieren wir die Anlieferung aus anderen Landkreisen", argumentierte Deponie-Leiter Gerhard Raab. Außerdem sei dieses Material aufwendiger in die Deponie einzubauen, verursache also Kosten.