Seit 1994 findet jeweils am 21.September der Welt-Alzheimertag statt. Dieses Mal lautet das Motto "Jung und Alt bewegt Demenz". Die Bevölkerung soll an diesem Tag auf die Situation der betroffenen Demenzkranken und deren Familien (meist pflegende Angehörige) aufmerksam gemacht und für deren Belange sensibilisiert werden.
Nach wie vor kann die Erkrankung Demenz nicht geheilt werden. Durch medizinische Behandlung und Beratung, durch fachkundige Pflege und eine sinnvolle soziale Betreuung kann man aber Erkrankte und Angehörige sinnvoll unterstützen. In den letzten Jahren haben sich viele Angebote diesbezüglich in der Region entwickelt, die genau dieses Ziel verfolgen.
In Deutschland gibt es inzwischen rund 2,6 Millionen pflegebedürftige Menschen, hiervon leben nach Angaben des Gesundheitsatlasses des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit circa 3500 im Landkreis Lichtenfels. Die Zahlen sind steigend. Wie im Bundesdurchschnitt (71 Prozent) werden sie größtenteils von ihren Angehörigen betreut und leiden oft auch an einer Demenz.


Schnelle Entscheidungen

Bei Eintritt der Pflegebedürftigkeit oder bei fortschreitender Demenz ergeben sich viele Fragen. Entscheidungen müssen oft sehr schnell getroffen werden. Verschiedene Sichtweisen der Angehörigen und der Betroffenen prallen aufeinander.
Oft verändern sich sogar langjährige Familienstrukturen schlagartig - kurzum, die bisherige Welt steht Kopf. "Nicht jeder ältere Mensch wird im Alter automatisch zum Pflegefall, aber es ist sehr sinnvoll, darauf vorbereitet zu sein. Daher ist es mehr als notwendig, unsere Bevölkerung entsprechend vertraut zu machen mit den möglichen Hilfen und Angeboten, die es bei uns gibt. Ich hoffe, dass unsere komplett neu überarbeitete Broschüre ,Tipps im Umgang mit Demenz und Pflege - Ein Ratgeber für Angehörige, Freunde und Nachbarn von älteren Menschen mit und ohne Behinderung' dazu Hilfestellung leistet", sagt Landrat Christian Meißner zuversichtlich.
Die neue Broschüre kann ab Mittwoch, 21. September, im Landratsamt und in den Rathäusern kostenlos abgeholt werden. Über das Internetangebot des Landkreises steht die Broschüre dann auch zum Download bereit.
Neben kurzgefassten Informationen zum Thema Demenz sind Tipps und Informationen zu verschiedenen Aspekten des Alltags aufgeführt. Diverse Angebote in der Region werden vorgestellt, der Punkt "Rechtliches" reicht von der Vorstellung des Aufgabengebiets der Betreuungsstelle bis zu dem neuen Pflegestärkungsgesetz I und II. Im Anhang schließen nützliche Formulare, so zum Beispiel ein Notfallbogen für einen möglichen Krankenhausaufenthalt, eine Vorsorgevollmacht und eine Betreuungs- und Patientenverfügung die Broschüre ab. Außerdem zeigt die Broschüre den aktuellen Stand des Versorgungs-, Entlastungs- und Betreuungsangebots im Landkreis Lichtenfels und Umgebung.
Die Pflege eines Angehörigen ist eine große Herausforderung, die ständigen Veränderungen unterworfen ist. Diese Belastungen können nur bewältigt werden, wenn sich Betroffene die jeweils passende Unterstützung suchen (zum Beispiel zunächst ambulanter Pflegedienst, später möglicherweise Aufnahme in eine stationäre Pflegeeinrichtung). Ganz wichtig für pflegende Angehörige ist auch deren Entlastung durch unterstützende Angebote, wie die stundenweise Betreuung der Betroffenen in Demenzgruppen, in einer Tagespflege, in einer Selbsthilfegruppe oder bei einem Urlaub. Nur wenn sich die Pflegenden gut um sich selbst kümmern, können sie auch gut für den zu Pflegenden sorgen.
Hilfe von außen anzunehmen hilft allen. Die Erfahrung und auch wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass es sowohl den Betroffenen als auch den Pflegenden gesundheitlich und emotional viel besser geht, wenn sie Unterstützung annehmen. red