von unserem Mitarbeiter Andreas Welz

Lichtenfels — Sie kommen aus Syrien, dem Irak, Afghanistan, Eritrea oder Somalia. Politisch verfolgt, vertrieben, dem Bürgerkrieg entflohen oder einfach auf der Suche nach einem besseren Leben: Die Zahl der Flüchtlinge ist nach Angaben der Vereinten Nationen weltweit erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg auf über 50 Millionen gestiegen. 2014 waren es 625 000 registrierte Asylbewerber in der EU.
Doch hier stehen sie oft vor verschlossenen Türen. An den Außengrenzen spielen sich jeden Tag dramatische Szenen ab. Der Druck auf die EU wächst, die gemeinsame Strategie zu überdenken. Dafür gilt es, gesellschaftliche, finanzielle und politische Hürden zu überwinden.

Ein düsteres Bild

Dieses Thema griff Johannes Wickles aus Burgkunstadt in seiner Fotocollage auf. Er ist einer der zehn Preisträger des europäischen Wettbewerbs. Der 18-jährige Abiturient des Gymnasiums Burgkunstadt wählte die Tower Bridge in London aus. Er schaffte aus verschiedenen Elementen ein düsteres Bild eines Flüchtlingslagers, genau dort wo Touristen über die weltbekannte Brücke flanieren. Das Lager besteht aus afrikanischen Rundhütten und ist mit einem Metallgitter zum Betrachter hin verschlossen. "Das Moos auf den Gitterstäben soll andeuten, dass das Lager schon sehr lange isoliert und abgeschlossen ist", sagte er.
Im Lichtenfelser Meranier-Gymnasium wurden die oberfränkischen Preisträger des 62. europäischen Wettbewerbs 2015 geehrt, darunter allein zehn Sieger aus den beiden Gymnasien des Landkreises.
Das Thema des bildnerischen, schriftlichen und multimedialen Wettbewerbs lautete in diesem Jahr: "Uns gehört die Zukunft - also hört uns zu". Unter der Schirmherrschaft von Landrat Christian Meißner (CSU) hatte der Bezirksvorsitzende der Europa-Union, Rainer Taubert, die Feierstunde organisiert.
Der Abteilungsdirektor Bereich Schulen, Klemens M. Borsig, wies auf drei entwicklungspolitische Schwerpunkte des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung hin: die Bekämpfung von Fluchtursachen, nachhaltige Entwicklungskonzepte und faire Produktionsbedingungen.
Die engagierten Arbeiten der Schülerinnen und Schüler zu diesen Themen hätten ihn beeindruckt. Die nachwachsende Generation hätte die Probleme erkannt und bildlich ausgedrückt, welche Rolle Europa in der Welt spielen solle. Die große Resonanz auf die entwicklungspolitische Thematik der diesjährigen Wettbewerbsrunde habe gezeigt, dass die Jugendlichen sich der großen Herausforderungen der Zukunft bewusst seien und sehr engagierte Visionen und Ideen dafür hätten.
Mit dem europäischen Jahr der Entwicklung 2015 solle die aktuelle Ausrichtung der Entwicklungspolitik der EU in der Öffentlichkeit bekannter gemacht und eine breite Debatte darüber angestoßen werden. Dabei gehe es nicht nur um Hilfeleistungen, sondern auch um globale Verantwortung für Natur, Klima und Ressourcen, um nachhaltige Konzepte für weltweiten Handel, Landwirtschaft und Konsum.
Insgesamt fertigten in diesem Jahr in Deutschland 79 333 Schülerinnen und Schüler aus 1172 Schulen 68 834 Arbeiten an, von denen 23 122 Beiträge an die Landesjurys weitergeleitet wurden. Die Bundesjury begutachtete 1819 Arbeiten und zeichnete 693 Schüler mit Bundespreisen aus.