von unserem Redaktionsmitglied Rainer Lutz

Oberwohlsbach — Die Mopsfledermaus hat es gut. Sie darf wohnen, wo einst die Ritter hausten, und viele passen dort auf sie auf. Am Donnerstag wurde der Natura-2000-Managementplan für die Lauterburg vorgelegt. Er legt fest, was wer alles tun muss, damit die kleinen Flattermänner sich in den Gewölben der Ruine wohlfühlen.
So ganz unumstritten war der Einzug der Fledermäuse in die Burg nicht. Zumindest war ein gerüttelt Maß an Überzeugungsarbeit nötig, um die menschlichen Nutzer der Burg davon zu überzeugen, dass sie sich künftig zurückhalten müssen bei der Nutzung. Denn die Ruine, die nach der Sprengung 1959 nur ein Schutthaufen war, wurde von einem Verein und im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme wieder hergerichtet. Dabei entstand ein touristischer Anlaufpunkt. In einem der Gewölbe wurde ein Kamin eingebaut. So konnte dort in uriger Umgebung gefeiert werden. Das musste unterbleiben, als die unterirdischen Teile der Ruine als bayernweit bedeutendes Winterquartier der höchst seltenen Mopsfledermaus erkannt wurden.
Sofort wurde dafür gesorgt, dass Störungen unterbleiben. Auch als die Burg vom Eigentum des Forstbetriebs Coburg der Bayerischen Staatsforsten in das der Stadt Rödental überging, blieb das so. Die Ruine wurde später als eigenes Flora-Fauna-Habitat (FFH) erfasst und zum europäischen Natura-2000-Gebiet, für das ein eigener Managementplan erstellt wurde.
Herbert Rebhan, Leiter des Sachgebiets Naturschutz an der Regierung von Oberfranken stellte den Plan vor. "Die Habitatqualität ist sehr gut, Beeinträchtigungen gibt es keine und der Zustand der Population ist mittel", fasste er die Beurteilung der Lauterburg in diesem Plan zusammen.


Wald ist von Vorteil

Gemeint ist damit, dass die bundesweit hochgradig in ihrem Bestand gefährdete Art Mopsfledermaus in den vielen Ritzen und Spalten der Gewölbe gut überwintern kann (Habitatqualität gut). Die Stadt sorgt dafür, dass sie Ruhe hat (keine Beeinträchtigungen) und es kommen Jahr für Jahr etwa 15 Tiere (Populationszustand mittel). Gut für die Fledermäuse - es leben auch weitere Arten hier - ist das große angrenzende Waldgebiet Hohe Schwenge (ebenfalls Teil eines großen FFH), wo die Tiere jagen können. "Dort sind sie uns auch sehr willkommen", versichert Albert Schrenker, der Leiter des Forstbetriebs Coburg der Bayerischen Staatsforsten. Auch das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (Aelf) hilft beim Schutz der Tiere, wie Norbert Wimmer im Namen der Behörde erklärte. Von forstlicher Seite wird auch regelmäßig erfasst, welche Fledermäuse wo Quartier bezogen haben.
Damit der Managementplan entstehen konnte, stützte sich die Regierung von Oberfranken auch auf die Mithilfe ehrenamtlicher Fachleute. So sammeln Dagmar Papadopoulos und Gerhard Hübner vom Landesbund für Vogelschutz in Coburg seit vielen Jahren Daten über die Fledermausquartiere in der Region.


Zeit ohne Störungen

Störungsfreiheit muss in der Zeit vom 1. Oktober bis zum 30. April gewährleistet werden. Im Sommer sind die "Möpse" nämlich Vagabunden. Es konnte festgestellt werden, dass sie sich in einem Radius von bis zu 300 Kilometern von der Burg entfernt aufhalten. Im Winter kommen sie zum Schlafen aber alle wieder zur Burg.
Dass es damit möglich bleibt, den attraktiven Platz auch für Feste und Veranstaltungen zu nutzen freut, Rödentals Bürgermeister Marco Steiner (FW) besonders: "Ich bin froh, dass wir den Lebensraum erhalten können, ohne dass wir gleich ein Sperrgebiet aus der Burg machen müssen. Wir sind nämlich auch stolz auf unsere Burg." Der Managementplan legt fest, was zum Erhalt des Lebensraumes nötig ist. Im Fall der Lauterburg hält sich der Aufwand in Grenzen. Es geht vor allem um den Erhalt der Gewölbe und ihrer Eingangsbereiche mit Einflugsmöglichkeiten.


Das steckt dahinter

Hintergrund der Erstellung solcher Managementpläne ist die Verpflichtung aller EU-Mitgliedsstaaten, unter der Bezeichnung Natura 2000 ein europaweites Netz aus FFH- und Vogelschutzgebieten einzurichten. Um das zu erreichen, werden gemeinsam mit allen Beteiligten vor Ort solche Managementpläne erarbeitet. Infos zu Natura 2000 gibt es im Internet unter www.stmuv.bayern.de/umwelt/naturschutz/natura2000/index.htm.