von unserer Mitarbeiterin 
anna-lena wolfarth

Bamberg — "Mode Macht Mut" - der Name kommt nicht von ungefähr. Das gemeinnützige Projekt der Laufer Mühle ist seit April 2011 in Bamberg beheimatet und fördert seitdem zahlreiche Frauen.
Die Laufer Mühle qualifiziert seit Jahren Langzeitarbeitslose oder Suchtkranke, um ihnen Zukunftschancen zu bieten. "Den Menschen eine Tagesstruktur geben und ihnen ihre Ressourcen und Talente aufzeigen," so beschreibt Michael Thiem, Geschäftsführer der Laufer Mühle, das Ziel der Einrichtung.

Frauen eine Perspektive bieten

Vor vier Jahren entstand die Geschäftsidee, mit der Frauen geholfen werden soll, wieder sozialversicherungspflichtig integriert zu werden. Frauen, aus oft schwierigen Biographien, wird hier eine Chance geboten, ihre handarbeitlichen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen.
"Die Frauen bringen oft super handwerkliche Talente aus ihrer Heimat mit", erläutert Ina Wunder, Projektleiterin von "Mode Macht Mut". Sie hat das Projekt vor vier Jahren mit iniitiert, da sie Frauen, denen das Bewerbungstraining des Jobcenters nicht weiterhilft, eine sinnvolle Tätigkeit und eine Perspektive bieten wollte. "Unsere Hoffnung ist es, den Frauen Mut zu geben, indem wir sie aus ihrem häuslichem Umfeld herausholen und in die Öffentlichkeit bringen", so Wunder weiter. Ob das Nähen eigener Produkte, der Kontakt mit Kunden im Laden oder das Modeln auf den eigenen Modenschauen - die Teilnehmerinnen sollen auf ihre Talente und Fähigkeiten aufmerksam gemacht werden.
Die oft harte Arbeit lohnt sich laut Wunder. Eine ehemalige Teilnehmerin ist mittlerweile an der Modeschule in Nürnberg, andere konnten in sozialversicherungspflichtige Jobs vermittelt werden.
Die Staatsministerin Melanie Huml stattete dem Projekt gestern einen Besuch ab. Eine originelle Einladung in Form einer selbst genähten Papiertasche weckte ihre Neugier. "Die Frauen bringen unwahrscheinlich viel Potenzial mit. Ihnen kann durch den Laden eine Chance geboten werden", ist sich Huml sicher. Die modebewusste Gesundheitsministerin, die selbst handarbeitlich begabt ist, zeigte sich von den Einzelstücken begeistert. Aber nicht nur die gefertigten Produkte interessierten die Ministerin - auch die Geschichten der Frauen, ihre Entwicklung und ihre Zukunftsperspektive waren Thema.

Vielfältige Geschichten

Derzeit sind zwölf Frauen am Projekt beteiligt, alle Altersklassen sind vertreten. Ob allein erziehende Mutter oder Schwangere - die Frauen sind so vielfältig wie ihre Geschichten.
Seit Ende Juni im Projekt ist Tatjana. Die leidenschaftliche Näherin und Bastlerin hat schon vor einiger Zeit viel über das Projekt gehört und war sofort interessiert. "Es hat aber zeitlich nie gepasst", erklärt die allein erziehende Mutter. Erst als ihr Kind älter geworden ist und sie auf Grund ihrer Behinderung nur schwer einen Praktikumsplatz gefunden hat, machte sie ihren Berater auf das Projekt aufmerksam. Seit mehr als einem Monat ist sie nun begeisterte Teilnehmerin des Projekts. "Das Ergebnis zu sehen und was für interessante Sachen aus alten Textilien gefertigt werden können, das macht einfach Spaß."

"Total nettes Team"

Erst seit wenigen Tagen am Projekt beteiligt ist Yewa. Die werdende Mutter wurde eigentlich für den Verkauf im Laden eingestellt. Als sie aber gesehen hat, was für tolle Dinge von den anderen Frauen hergestellt werden, wollte sie selbst nähen lernen. "Das Team ist total nett. Jeder hilft jedem und alle sind total hilfsbereit", erzählt sie begeistert. Die Schwangere ist erst seit kurzer Zeit in Bamberg und wollte ihre Schwangerschaft sinnvoll überbrücken und nicht nur zuhause rum sitzen. Aufmerksam auf das Projekt wurde sie dann durch ihren Berater - er erkannte ihr kreatives Potenzial und vermittelte sie.
Das Projekt stößt in Bamberg auf viel Interesse. "Jeden können wir aber nicht aufnehmen - die Teilnehmer müssen schon bestimmte Voraussetzungen mitbringen", grenzt Ina Wunder ein. Auch in Zukunft will sich die Laufer Mühle in Bamberg engagieren.
Seit Anfang des Jahres ist neben dem Projektladen ein Kaufhaus der Einrichtung vorhanden. Dort werden gebrauchte Möbel restauriert und anschließend verkauft. Auch hier ist es das Ziel, Langzeitarbeitslosen den Schritt zurück in die Arbeitswelt zu erleichtern.