Dass in der Siedlung etwas geplant ist, haben Bernd-Jürgen Krantz und seine Frau Gisela schon länger geahnt. Jetzt haben die aufmerksamen Siedler, die schon 42 Jahre am Fluracker 4 wohnen, Gewissheit: Denn plötzlich wurden am Fluracker Baustellenschilder aufgestellt. Das Dach eines Mehrfamilienhauses der Baugenossenschaft wurde geöffnet, Dachbalken wurde verstärkt und eine Installationsfirma für Mobilfunkmasten rückte an. Ein Autokran hievte einen 12,14 Meter hohen Mast an seinen Bestimmungsort. Der Mast wird die Gegend mit der schnellen Mobilfunktechnik LTE im 1800 Megahertzbereich, UMTS und mit dem GSM-Netz versorgen.


Genehmigung liegt vor

"Für den Standort liegt eine Standortbescheinigung vor", erklärt der Pressesprecher der Telekom, Markus Jodl. Die Bundesnetzagentur stelle sicher, dass ein Standort alle gesetzlichen Rahmenbedingungen einhält und überprüfe das auch. "Das ist quasi eine Art Antennen-TÜV", erklärt Jodl. Der Standort werde benötigt, um in Kulmbach auch in Zukunft ein qualitativ hochwertiges Mobilfunk-Netz anbieten zu können. Das sei "für die Zukunftsfähigkeit einer Kommune genauso wichtig wie ein Breitbandanschluss per Festnetz", so Jodl. Bisher wurde Mangersreuth vom Rehberg aus mitversorgt. Doch wegen immer höheren Geschwindigkeiten und Bandbreiten sei die Installation eines neuen Mastes unumgänglich. "Der Suchkreis für Standorte für die Mobilfunkanlage entsprach einem Bereich um die Max-Hundt-Schule", teilt der Pressesprecher der Stadt Kulmbach, Tobias Günther, auf Nachfrage mit.


Nicht zu nah an der Schule

Doch um den sensiblen Bereich nahe der Schule möglichst zu umgehen, wurden seitens der Stadt Kulmbach Alternativen vorgeschlagen, die sich weit außerhalb des Schulbereichs befinden. Doch diese waren nicht geeignet. Und so fand die Telekom schließlich das 13 Meter hohe Mehrfamilienhaus der Baugenossenschaft.
Von einem "Mehrheitsbeschluss" spricht der Geschäftsführer der Baugenossenschaft Kulmbach und Umgebung, Udo Petzoldt. Offen gibt er zu, dass die Baugenossenschaft einen "nicht unerheblichen Betrag" für den Mast bekommt. Auch das war ein Anreiz. "Das Geld können wir dann wieder in die Häuser investieren. "Ich finde Mobilfunkmasten auch nicht schön", gesteht Petzoldt und sagt, er wolle kein Öl ins Feuer gießen. "Aber letztlich sorgt der Mast auch für eine gute Verbindung in der Siedlung und das ist für die Menschen auch wichtig", sagt er. Nicht gelten lassen will der Geschäftsführer der Baugenossenschaft die Vorwürfe, dass er die Nachbarn nicht informiert hat. "Wenn wir unsere Häuser sanieren, informieren wir auch nicht die Nachbarn. Unsere Mieter wussten von dem Mast", sagt Petzoldt. Das bestätigt Hans-Werner Ittner, der im Mehrfamilienhaus wohnt. Er regt sich nicht auf.
Die Hausbesitzer im Umkreis dafür um so mehr. Gisela und Bernd-Jürgen Krantz sind entsetzt und machen ihrem Unmut Luft. Auch Anwohnerin Jutta Wiemann regt sich über den Mast furchtbar auf. Sie möchte ein Haus im Kronhüttenweg verkaufen. Der Immobilienmakler hat ihr auf den Kopf zugesagt, dass mit dem Mast das Haus gleich 20 000 Euro weniger wert sei. "Und wer zahlt mir den Wertverlust?", fragt sie.
Sturm gegen den Mast laufen auch Christine Sandler und Helmar Gebauer aus dem Kronhüttenweg sowie Gerhard und Renate Werner. Alle bemängeln, dass sie nur durch Zufall von dem Mast erfahren haben. Zum Protestaufmarsch ist auch Ludwig Lindner vom Hopfenweg gekommen. Er hat ebenfalls Angst, Strahlung abzubekommen. Auch Stefan Fritz, Horst Hoffmann aus der Frankenleite, Hans-Peter Kesselbaur, Pauline Kesselbaur und Hans-Joachim Küfner protestieren.
Eine Chance, dass sich etwas ändert, haben die Anwohner allerdings nicht. Denn ein Mast mit neun Meter Höhe ist sogar baugenehmigungsfrei, erklärt Ilse Seuß vom Landratsamt Kulmbach. Die Grenzwerte werden eingehalten, meistens sogar nur zu zehn Prozent ausgeschöpft, sagt Karin Ehrhardt von der Telekom. Sie verweist auf Sicherheitsbewertungen für die Anlage.
"Aber man muss schon misstrauisch sein, auch was die Messergebnisse angeht. Und dass zu viel Strahlung Auswirkungen hat, das ist doch klar", will sich Pauline Kesselbaur nicht für dumm verkaufen lassen.
Noch während die Anwohner massiv aufmarschierten, hängten die Arbeiter der Installationsfirma den Mast an den großen Autokran. Und innerhalb weniger Minuten war der auf dem Dach.
Bei den Anwohnern jedoch bleibt der Ärger und Unsicherheit, ob die Strahlung nicht doch irgend welche negativen Auswirkungen habe.