Hammelburg — Einer der besten Kenner Hammelburger Geschichte ist Hanns-Helmut Schnebel. Vor dem Geschichtskreis sprach er über die Hammelburger Musiktradition vom ausgehenden Mittelalter bis heute. "Vom Stadtpfeifer zur Musikakademie" lautete der Titel. Er hatte ein interessiert zuhörendes Publikum im Europa-Haus.
Neben seinem Beruf - er war Bibliothekar an der damaligen Infanterieschule - war Schnebel engagierter Musiker in der Stadtkapelle Hammelburg. Er verfügt über hervorragende Kenntnisse in der Musikgeschichte. Die Militärmusik hat es ihm besonders angetan. Keiner kennt sich auf diesem Gebiet so gut aus wie er.
Die offizielle Musik begann in Hammelburg nachweislich mit einem städtischen Bediensteten: Der Stadttürmer, der seine Wächterfunktion vom Turm der früheren Marienkirche am Viehmarkt aus wahrnahm. Vielfältig waren dessen Einsätze über Signaldienste hinaus. Fürstäbte, Schultheißen und Landrichter, sie alle wollten nicht auf die musikalische Erhöhung ihrer Auftritte verzichten. Auch bei feierlichen Gottesdiensten, bei Umzügen und Kirchenparaden war die amtliche Musik gefragt.

Landwehr älterer Ordnung

Ab wann gab es in Hammelburg eine Stadtkapelle? Schnebel nennt den 20. August 1809. Mit diesem Datum ist ein militärisches Musikkorps schriftlich nachgewiesen. Die Musiker waren Bürger der Stadt oder lebten mit ihren Familien im Umfeld. Es waren keine Berufssoldaten. Sie gingen ihren Handwerksberufen nach und kümmerten sich um ihre Bauernhöfe. Sie wurden lediglich an Wochenenden zum Exerzieren zusammengerufen. Es war die "Landwehr älterer Ordnung".
Der Stadttürmer und zugleich Kapellmeister des Musikkorps hatte auch die Aufgabe, für den musikalischen Nachwuchs zu sorgen, zunächst einmal im königlichen Auftrag im Hinblick auf das Militär. Die Übergänge der Militärmusiker in die Hammelburger Bürgergesellschaft waren fließend. Anlässe, die Musik zu bestellen, gab es genug. Man denke an Hochzeitsfeiern, Tanzveranstaltungen, Taufen oder Jubiläen.
Wer im Remter des Rathauses das dort seit Jahrzehnten befindliche Gemälde des Malers Ernst Ringelmann betrachtet, erkennt am rechten Flügel der Paradeaufstellung des "Königlich Bayerischen Landwehrbataillons Hammelburg" die Militärkapelle. Hier ist der Anfang modern orchestrierter Musik in Hammelburg zu suchen.
Wie die Nordbayerische Musikakademie ausgerechnet nach Hammelburg kam, das riss Schnebel kurz an. Ihre Geschichte ist einen eigenen Abend wert.
Der Geschichtskreis wird am Freitag, 26. Juni, Eisenbahngeschichtliches bearbeiten. Beginnend mit Planung, Bau und Eröffnung der Lokalbahn Gemünden-Hammelburg im Jahre 1884, bis zum Bau der erweiterten Streckenführung von Hammelburg nach Bad Kissingen Anfang bis Mitte der 1920er Jahre. Am 24. April 1924 wurde der Anschluss nach Bad Kissingen eröffnet.

Wer kann etwas beitragen?

Wer aus dem Erinnerungsschatz der Familie oder durch Dokumente, Fotos, Bilder, alte Fahrpläne, Fahrkarten und Eisenbahneruniformstücke seinen Teil dazu beitragen kann, ist herzlich willkommen. Die Einleitung in Form von zwei Kurzvorträgen übernehmen Erich Hutzelmann und Dieter Galm. Beginn ist um 17 Uhr im Europa-Haus. Dieter Galm