Klaus-Peter Gäbelein

In der Aurachstadt jagt ein Ereignis das andere: Auf die Sommerkirchweih folgten die Kirchweih der Schützengilde und die 125-Jahr-Feier des Geflügelzuchtvereins, am vergangenen Wochenende konnte man einen Ausflug ins Mittelalter miterleben und am kommenden Samstag werden die Besucher um 100 Jahre zurückversetzt in die Zeit, als das Automobil noch in den Kinderschuhen steckte.
Am 6. August um 10 Uhr werden 20 Knattermobile der sogenannten Messingklasse mit offenem Verdeck aus den Jahren 1898 bis 1913 rund um die altehrwürdige Magdalenenkirche, aufgestellt in Reih und Glied, eine Verschnaufpause einlegen. Es sind keine Porsche, keine Mercedes 190 oder 300 SL, man wird die Ferraris oder Maserati-Flitzer vermissen und die PS-starken Rennwagen mit hundert Pferdestärken oder mehr.
Die von Wolfgang Kinder, dem Haus- und Hoffotografen des Heimatvereins Höchstadt organisierte "Karpfenrallye" führt die Betrachter in die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, als Autos und ihre Besitzer noch wie Wesen von einem anderen Stern anmuteten. Fahrer oder Beifahrer schützten sich wegen der Zugluft mit dicken Lederkappen, mit Schal und Brille vor Staub und Wind. Und die Dame, die als Sozia im Rüschenkleid neben dem Fahrer Platz nehmen durfte, diente eher als schmückendes und schmuckes Beiwerk bei einer Fahrt über die staubigen Landstraßen.
Und welche Fahrzeuge werden die Besucher am Kirchenplatz zu bewundern haben? Da sind einige Fahrzeuge aus der legendären amerikanischen Serie des Ford T zu sehen, alle Baujahr 1909 bis 1913. Es war der meistproduzierte Wagen der Welt noch lange vor dem legendären deutschen Käfer der Nachkriegsjahre. Das "T" stand beim Produzenten Henry Ford für "Tinny" oder "Tin Lizzie", zu deutsch "Blechkiste"oder "Blechliesel". 15 Millionen Fahrzeuge der schier unverwüstlichen Serie liefen zwischen 1908 und 1927 in den USA vom Band. Gerade einmal 20 PS hatte der Wagen bei einem Hubraum von rund 2900 ccm.


Zwischen acht und 40 PS

Des Weiteren sind Modelle der Produzenten Buick, Cadillac, Renault und Peugeot zu bestaunen. Die geringste Motorenstärke liegt bei acht PS, der stärkste Wagen besitzt immerhin 40 Pferdestärken und 4700 ccm Hubraum. Aus der Schweiz, Österreich und dem gesamten Bundesgebiet kommen die Besitzer, die ihre Benzinkutschen ständig hegen und pflegen und für Rundfahrten instand halten. Und weil man vor Jahren auf Einladung von Wolfgang Kinder die Karpfenlandschaft als besonders malerisch für Ausfahrten entdeckt hat, trifft man sich nun zum dritten Mal zur "Karpfenrallye", diesmal von Höchstadt in die Sportschuhstadt Herzogenaurach. Gegen 10 Uhr werden die Fahrzeuge dort am Kirchenplatz zu bewundern sein. Für die Fahrer und den gesamten Tross folgt ein Empfang bei Bürgermeister German Hacker (SPD). Nach Stadtführung und Mittagspause geht es zurück nach Mühlhausen und zum Höchstadter Kellerberg. Mit einem Sektempfang im Schloss endet die Veranstaltung am Samstagabend.