von unserer Mitarbeiterin Gerda Völk

Bad Staffelstein — Vor einer Woche begeisterte Markus Veith gemeinsam mit Laura Mann in der Liebesromanze "Zwei waagerecht". Am Donnerstag erlebten die Besucher des Brückentheaters den Schauspieler des Fränkischen Theatersommers ein weiteres Mal, diesmal in der Rolle des Malers, Philosophen und Humoristen Wilhelm Busch. Mit dieser Aufführung war das Stück "Ein jeder Narr tut, was er will" bereits zum vierten Mal im Brückentheater zu sehen.
Wer kennt ihn nicht, jenen begnadeten Reimeschmied und Verfasser von humorvollen Bildergeschichten? Ob das Brücken theater, dessen Raum bekanntlich aus einer nicht genutzten Brücke besteht, die beiden Protagonisten Max und Moritz zu einem Streich angeregt hätte, darüber darf spekuliert werden. Wie heißt es doch in den Lausbubengeschichten: "Ritze ratze voller Tücke - in die Brücke eine Lücke." Wäre bei den vollbesetzten Stuhlreihen ohnehin nicht gegangen.


Schrulliger Einsiedler

In dem Ein-Mann-Stück schlüpft Markus Veith in die Rolle des schrulligen Einsiedlers, der zunächst wenig begeistert ist, dass ihm das Publikum über die Schulter schauen will. Bekanntlich war Wilhelm Busch zeitlebens Junggeselle, der stolz darauf war, sich von niemand Vorschriften machen lassen zu müssen. Der sich genüsslich dem Tabak und Alkohol hingeben konnte, wie es ihm gerade einfiel. Wilhelm Busch hat über 1000 Ölbilder gemalt, die er aber niemanden zeigte, weil er meinte, sie seien nicht gut genug. Vieleicht weil er schon früh zu der Erkenntnis gelangte: "Oft trifft man wen, der Bilder malt, viel seltener wen, der sie bezahlt."
Markus Veith genügen wenige, dafür aber umso bezeichnendere Requisiten, um all die vielfältigen Charaktere aus Busch' Bildergeschichten darzustellen: Palette und Pinsel, eine Staffelei, Stuhl, Pfeife, Bierkrug und natürlich Feder, spitzer Bleistift und Notizbuch. Die Bildergeschichten setzt Veith mit vollem Körpereinsatz um, mal philosophisch, mal schrullig, doch immer mit einer gehörigen Portion Respekt vor dem großen Genie. Beispielsweise in der Geschichte von Balduin Bählamm, der sich zu Höherem berufen fühlt und darum ringt, von der Muse geküsst zu werden.


Einer stört immer

Doch just in dem Moment, in dem er seine Gedanken zu Papier bringen will, wird er von seiner Umwelt gestört. Sei es durch eine lärmende Kinderschar, der Ehefrau, einer laut muhenden Kuh oder dem Dorflausbuben Jörg. Letztlich leidet Bählamm wahre Höllenqualen an Zahnschmerzen und es wird nichts mit der Dichtkunst.
Markus Veith rezitiert die Verse mal laut und mal leise, springt über die Bühne und besticht durch seine Gestik und Mimik. So wie er hat sich noch niemand Wilhelm Busch angenähert.
Nicht fehlen darf Maler Klecksel, der nicht nur den bürgerlichen Kunstkenner aufs Korn nimmt, sondern auch hin- und hergerissen ist zwischen der reichen, aber ältlichen Gönnerin Fräulein von der Ach und der jungen verführerischen Suse. Am Ende wechselt Klecksel den Beruf und wird Schankwirt in seiner alten Stammkneipe.
Knapp zwei Stunden lang gibt Markus Veith einen Einblick in die Arbeit und das Leben des großen Humoristen Wilhelm Busch. Vieles regt zum Schmunzeln an, die großen Lacher gibt es aber nicht.
Vielmehr lebt die Aufführung von der schauspielerischen Leistung Veiths, der auf der kleinen Bühne des Brückentheaters großartig agiert, vom schreienden Säugling über den von Insekten geplagten Mann bis hin zum lieblich säuselnden Mädchen. Dafür bedankte sich das Publikum mit einem lang anhaltenden Applaus.