von unserem Mitarbeiter Bernd Kleinert

Altenkunstadt — Sie nennen sich "Schneller Adler", "Schlauer Adler" und "Feuerfuchs". Christoph ist Häuptling des Stammes "Großer Adler". Seine "roten Brüder" haben ihn dazu bestimmt, denn schließlich ist er mit seinen neun Jahren der Stammesälteste. Einen Tag lang bestimmten "Stadtindianer" das Geschehen auf dem Außengelände des Schul- und Sportzentrums. Mit diesem Abstecher in die Welt der Rothäute, Krieger und Squaws leistete die Gemeinde Altenkunstadt ihren Beitrag zum großen Jugend-Sommerferienprogramm.
Gestaltet wurde die Aktion von Thomas Wieser aus Bamberg. "Das Licht der Welt erblickte ich in den USA. Ich bin ein richtiger Halbblut-Indianer", erzählt der Sozialpädagoge, der seit 1989 in ganz Oberfranken Ferienprogramme mit indianischen Angeboten bereichert. Für die 19 "Stadtindianer" aus Altenkunstadt hatte Wieser tolle Aktionen vorbereitet, die die Zeit wie im Flug vergehen ließen. Ein Tipi sorgte für das passende Ambiente. Was eine richtige Rothaut sein will, muss mit Pfeil und Bogen umgehen können. Der gebürtige Amerikaner zeigte den Kids, wie es geht. "Der Bogen ist erst mal nichts weiter als ein Stück Holz", erklärte er. Am besten geeignet sei Eibe, denn es ist das "schnellste Holz". Die Schnur bezeichnete Wieser als "Seele des Bogens, die einen Pfeil bis zu 400 Meter tragen kann". Ein abgeschossener Pfeil erreicht ihm zufolge eine Geschwindigkeit von 200 Stundenkilometern und mehr.


Micky-Maus-Schießen

Der Experte veranschaulichte den Kindern die Technik des Bogenschießens: "Das Zielen ist am Anfang total nebensächlich." Man unterscheidet zwischen dem John-Wayne-Schießen, dem Micky-Maus-Schießen und dem Jagdschießen. Erläuterungen, die den "Pfeil und Bogen- Azubis " ein Grinsen entlockten. Das A und O bei dieser Schießsportart ist die Sicherheit. "Zwischen dem Schützen, dem Ziel und dem Bereich dahinter darf rein gar nichts sein, weder ein Mensch, ein Tier, ein Auto oder sonst irgendwas", legte der Halbblut-Indianer den "Stadtindianern" ans Herz.
Im Umgang mit Pfeil und Bogen stellten sich die Kinder erstaunlich geschickt an. "Ich schieße jeden Tag 100 Pfeile in einer Stunde ab. Und das schon seit 32 Jahren. Ein hervorragendes Training, das die Muskeln stärkt und den Körper stählt", berichtet Wieser. Darüber hinaus fördert das Bogenschießen die Konzentrationsfähigkeit, Motorik und auch der Körperhaltung tut es gut.


Vom Stock zum Speer

Im kreativen Teil des Indianertags spitzten die Mädchen und Jungs mit Taschenmessern Stöcke an, schnitzten Verzierungen hinein und versahen die speerartigen Gebilde mit einem persönlichen Erkennungszeichen. "Auf meinen Stock kommt ein Räuberhaus", verkündet Tim, während Elias sich für ein Auto entscheidet. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. "Wichtig beim Schnitzen ist, dass ihr das Messer stets vom Körper weg bewegt", appellierte der Sozialpädagoge an die Kids. "Denn schließlich sollt ihr euch nicht verletzen."
Um indianische Geister ging es bei der Schminkaktion. Wieser zeigte den Kriegern und Squaws, wie man Spuren liest und sich anschleicht. Spiel, Spaß und Bewegung an der frischen Luft kamen beim Indianertag nicht zu kurz. Mit einem fröhlichen "Hallo" begrüßten die Kinder Bürgermeister Robert Hümmer, der es sich nicht nehmen ließ, dem "Indianerdorf" einen Besuch abzustatten: "Ich finde es toll, dass unsere Aktion bei den jungen Mitbürgern solch großen Zuspruch findet."
Am späten Nachmittag zündete jeder der vier Stämme ein Lagerfeuer an und buk Stockbrot. Dabei kamen die Stöcke zum Einsatz, die die Kids am Vormittag geschnitzt und verziert hatten. Am Abend hieß es dann Abschied nehmen. "Im nächsten Jahr machen wir wieder mit", riefen die Kinder, denen der Indianertag noch lange in Erinnerung bleiben wird.