Bamberg — Dass Barry Katz Engländer ist, merkt man höchstens daran, dass er stets britisch korrekt gekleidet ist, denn der ehemalige Modeberater lebt seit Anfang der 60er-Jahre in Bayern und hat längst den fränkischen Dialekt angenommen. Katz ist ein Familienmensch, daneben hat er eine Leidenschaft, der er seit Jahrzehnten frönt - japanische Kampfkünste.
1978 begann er in Bamberg Karate zu trainieren. Karate bedeutet dem Namen nach "unbewaffnete Hände", wobei "kara" für "leer, unbewaffnet" steht und "te" für "Hände". 1985 absolvierte er erfolgreich die Prüfung zum 1. Dan und war seitdem berechtigt, den schwarzen Gürtel zu tragen. Heute noch fungiert er als Co-Trainer beim FC Eintracht Bamberg in Sachen Jugend-Karate.
1987 lernte Katz Iaido kennen. Wie viele Karate-Treibende, war auch er vom Samurai-Schwert angetan und von den ruhigen, eleganten, aber doch kraftvollen Bewegungen bei der Ausführung der verschiedenen Kata. Kata bezeichnet festgelegte Bewegungsabläufe gegen imaginäre Gegner, wie Katz dies schon vom Karatetraining her gewohnt war. Deshalb gelang es ihm bereits drei Jahre später, den 1. Dan zu erlangen. Hier war für Katz noch lange nicht das Ende seiner persönlichen Entwicklung erreicht. 1992 schaffte er den 2. und 1997 den 3. Dan, damals immerhin schon 57 Jahre alt.
Es folgten mehrere Japan-Aufenthalte, bei denen Katz intensive Ausbildungen bei verschiedenen Großmeistern erhielt. 2014 wollte es der Bamberger Brite Katz noch einmal wissen. Er hatte im Vorfeld über ein Jahr lang seine Trainingszeiten erhöht und viele Wochenendlehrgänge besucht. Die Prüfung zum 4. Dan bestand Katz vor einem sechsköpfigen Prüfungsgremium im ersten Anlauf. Dies war eine starke Leistung für den zweitältesten Iaido-Treibenden in Deutschland.
Dieser Tage wurde Barry 75 Jahre alt. Ans Aufhören denkt er nicht, im Gegenteil. Nächstes Jahr will er wieder nach Japan reisen, diesmal mit seiner Frau. Vielleicht kann er sie auch fürs Iaido-Training erwärmen, immerhin üben mittlerweile schon drei Ehepaare beim Aikikai Bamberg diese elitäre Kampfkunst. Schließlich ist Barry ein Familienmensch. rm