von unserem Mitarbeiter Markus Häggberg

Lichtenfels — "Wollen Sie noch Kinder haben?" - ein Satz, der an einer Tankstelle in Burgkunstadt für Irritation sorgte, weil er vom Angesprochenen wohl als unter die Gürtellinie gehende Gewaltandrohung wahrgenommen wurde. Deswegen schlug der 19-jährige Michelauer mit der Faust zum Kopf des Gegenübers. Am Mittwoch hatte er sich am Amtsgericht wegen Körperverletzung zu verantworten.
Es hätte so schön bleiben können für den 37-Jährigen. Er kam von der Weihnachtsfeier und wollte nun an diesem 13. Dezember 2014 um 4 Uhr mit dem Taxi nach Hause fahren. Hier, an der Tankstelle, sollte das Taxi ihn einsteigen lassen. Doch dann habe er ein paar junge Menschen an der Tankstelle entdeckt, die ihren Essensmüll nicht in Mülleimer warfen. Als er das anprangerte, sei es zu einem Wortwechsel und dem Faustschlag gegen seinen Kehlkopf gekommen. "Er hat gefragt, ob ich noch Kinder haben will - da hab' ich halt gedacht, der geht jetzt auf mich los", so der junge Michelauer gegenüber Staatsanwältin Daniela Möhrlein und Richterin Bianca Franke. Und dann: "Wir gehen jetzt lieber, bevor noch Leute aufmarschieren und wir im eigenen Blut liegen."
So drastisch schilderte der verunsichert wirkende Angeklagte, was kurz nach dem Zuschlagen in seinem Kopf vorging. Tatsächlich dürften die beiden Männer gehörig aneinander vorbeigeredet haben. "Ich wollte wissen, ob er mal Kinder haben will, wegen der sauberen Umwelt und so", klärte das Opfer die Absicht hinter seinem Satz auf. "Wenn Sie das nicht als Drohung gemeint haben, dann tut's mir leid", entgegnete darauf der 19-Jährige, wobei er von der Richterin angeregt wurde, seinem vormaligen Opfer bei seiner Entschuldigung doch in die Augen zu schauen.
Schon dreimal war der Michelauer mit dem Gesetz in Konflikt gekommen, zwei Verfahren sind noch anhängig. "In regelmäßiger Abfolge: 2012, 2013, 2014, 2015", zählte Franke vorwerfend auf. Besorgtes Durchschnaufen beim Angeklagten daraufhin. Die Staatsanwältin plädierte auf 60 Arbeitsstunden und 200 Euro Geldstrafe, anerkennend, dass der junge Mann durch Ausbildung längst ein geregeltes Leben führt. Dem folgte der Urteilsspruch, die 200 auf 100 Euro senkend.