Die Überlieferung von St. Martin, der als römischer Soldat seinen Mantel mit einem frierenden Bettler geteilt haben soll, begleitet das Kirchenjahr auch heute noch, über 1600 Jahre nach dem Tod des historischen St. Martin. Seine barmherzige Tat verkörpert für viele Menschen gelebte Nächstenliebe.
"Wer seinen Besitz mit anderen teilt, hat selbst auch Freude daran", erinnerte Pfarrer Stefan Pröckl in seiner Andacht in der St.-Jakobus-Kirche in Etzelskirchen. Die Kinder, die mit ihren Eltern zum Rollenspiel, das die Pfarrgemeinde jedes Jahr hinter der Kirche veranstaltet, gekommen waren, machten beim Anblick von Martin auf dem Pferderücken große Augen.
Wie wichtig menschliches Helfen ist, lernten sie, als Martin (gespielt von Stefano Störzer) auf seinem Hengst Dakota seinen roten Mantel mit einem am Boden kauernden Bettler (gespielt von Johanna Litz) teilte. Dazu las Alexander Ort die Geschichte vor, die sich vor so langer Zeit zugetragen haben soll und die heute noch immer Bedeutung hat.


Prozession nach Tours

Gebannt folgten die Kinder danach dem Reiter in einem Zug durch das Dorf, bei dem ihre bunten Laternen natürlich nicht fehlen durften. Der Brauch, mit Laternen durch die Straßen zu ziehen, mag unter anderem daher rühren, dass Martins Leichnam in einer Lichterprozession in die gallorömische Stadt Tours, die im heutigen Frankreich liegt, überführt wurde. "Aber auch wir Menschen sollen - indem wir ihnen helfen - Lichter sein für unsere Mitmenschen", zog Pfarrer Pröckl die Verbindung.
Im Schein der Lichter erklangen die traditionellen Lieder, die dem Zug erst seine stimmungsvolle Atmosphäre verliehen. Nach der kleinen Wanderung wartete auf die Familien eine Stärkung mit Glühwein, Kinderpunsch, Bratwürsten und Lebkuchen im Pfarrgarten.