Erlangen-Höchstadt — Meerrettichproduzenten und Vertreter der bayerischen Landwirtschaft unternahmen vor Kurzem eine Studienreise in die Regien Lodzkie nach Polen. Der Einladung nach Polen waren acht Meerrettichanbauer aus der Region gefolgt, darunter Familie Funke aus Neuhaus, begleitet von Carola Nitsch, Fachberaterin für Sonderkulturen am Landwirtschaftsamt Fürth.
Gemeinsam mit dem Bürgermeister der Stadt Osjakow und Vertretern des Marschallamtes besuchten die interessierten Anbauer landwirtschaftliche Betriebe, in denen Meerrettich angebaut wird. Die Trockenheit machte auch dort den Betrieben starke Probleme. Bei den Meerrettichfeldern und dem Mais waren es die gleichen Bilder wie hier in Franken. Der Boden und die Feldgröße ähnelten der im Aischgrund.
Merrettich wird in fünf Gemeinden auf einer Fläche von 700 Hektar angebaut. Die Technik des Anbaus ähnelt der in Franken. In Hinblick auf Krankheiten und Schädlingen konnten wichtige Erfahrungen zwischen den Anbauern ausgetauscht werden.
Die fränkischen Anbauer wurden zur Meerrettichsuppe eingeladen und trotz Sprachbarrieren wurde gelacht und gefeiert. Mit einem Bierkrug und Bier haben sich die Besucher bedankt, und im Nachhinein wurde berichtet, das Bier aus Neuhaus schmecke sehr gut.


Produzenten arbeiten zusammen

Es wurde auch die Produzentengemeinschaft Witamina besucht. Diese Gruppe wurde 2003 gegründet und besteht aus elf Mitgliedern. Beschäftigt werden 35 Arbeitskräfte. Hier werden Äpfel und Birnen gelagert, verkaufsfähig aufbereitet und an den Handel verkauft. Es werden etwa 11 000 Tonnen Obst verarbeitet. Der Betrieb bewirtschaftet auch eigene Obstanlagen, 50 Hektar Äpfel und 3 Hektar Birnen, davon 25 Hektar mit Frostschutz. In der Haupternte werden rund 140 Arbeitskräfte beschäftigt, davon 16 Einheimische.
Besucht wurde auch der größte Jungpflanzenbetrieb in Polen der Familie Krason. Dieser Betrieb hat sich hauptsächlich auf Tomaten und Gemüse spezialisiert. Er besteht seit 1997 und bewirtschaftet acht Hektar unter Glas. Auch der Meerrettich-Aufbereitungsbetrieb in Krason wurde besichtigt. Hier werden außer Meerrettich noch Gurken, Rote Beete und Sauerampfer aus der Region verarbeitet.
Am Sonntag besuchte die Gruppe das Meerrettichfest. Dieses Fest stellt jedes Jahr den Höhepunkt in der Stadt Osjakow dar. Geladen waren außer dem Marschall (Minister) führende Vertreter aus Politik und Wirtschaft. Eröffnet wurde das Fest mit einem Schlag auf eine Pflugschar. Erst nachdem jeder der anwesenden Ehrengäste einen kräftigen Schlag ausgeführt hatte, war das Fest eröffnet. Carola Nitsch vom Amt für Landwirtschaft in Fürth betätigte sich dann auch mit einem kräftigem Hieb auf das Eisen. Jede Gemeinde und viele Vereine, Erzeugergemeinschaften und Zusammenschlüsse hatten hier Info-Stände. Zudem gab es eine Maschinenausstellung, viele Spielmöglichkeiten für die Kinder und am Abend ein Rockkonzert. Carola Nitsch stellte bei einem Vortrag den Anbau und den Erzeugerverband Franken-Meerrettich vor. Sie informierte unter anderem über die Marke bayerischer Meerrettich geschützten Ursprungs.
Diese Marke (EU) wird auch von der polnischen Erzeugergruppe angestrebt. Diese Erzeugergruppe in Polen besteht aus neun Mitgliedern. Für die Vorbereitung für das Markenemblem geschützter Ursprung erhält die Erzeugergruppe Unterstützung vom Ministerium in Form von Schulungen, Beratung und Zuschüssen.
Die fränkische Gruppe wurde an einem Abend vom Bürgermeister Podjadek und am nächsten Abend vom Leiter des Maschallamtes eingeladen. Hier wurden Erfahrungen aus Anbau, Vermarktung und Politik erörtert. Die Mitglieder des Erzeugerverbandes waren sehr angetan von der Herzlichkeit und Gastfreundlichkeit des Landes.
Friederike Funke