Friederike Stark

Die Euphorie ist groß. Die Umfragewerte lassen SPD-Anhänger jubeln. Aktuelle Zahlen des Meinungsforschungsinstituts Insa sehen die SPD gar vor der Union. Die Sozialdemokraten verzeichnen bundesweit etwa über 3000 Neueintritte in ihre Partei.
Alles eine Folge des "Schulz-Effekts"? Mit der Bekanntgabe der Kanzlerkandidatur von Martin Schulz läutete die SPD jedenfalls das Jahr der Bundestagswahl 2017 mit einer großen Überraschung ein.
Wolfgang Brühl, Vorsitzender der SPD im Kreis Haßberge, freut sich sehr über die Kandidatur von Martin Schulz. Auf Facebook schmückt seit der Bekanntgabe ein Logo das Profilbild des SPD-Kreisvorsitzenden. Es zeigt das Konterfei von Martin Schulz, umrahmt von dem Schriftzug: "Zeit für Martin."
Überrascht war der SPD-Vorsitzende allerdings nicht von Schulz' Kandidatur. "Ich habe das schon vor einem Jahr prophezeit." Denn laut Brühl deutete es sich schon länger an, dass Schulz nach seinem Ausscheiden aus dem EU-Parlament eine Spitzenfunktion in Berlin erhalten werde. Brühl lag richtig. Schulz ist SPD-Kanzlerkandidat. Für Brühl ein Grund zur Freude. "Und ich bin überzeugt, dass er genau der Richtige dafür ist", sagt Brühl. Denn Schulz habe das Auftreten, die Ausdrucksweise, die Ausstrahlung.
Im Gegensatz zu Sigmar Gabriel? Die SPD-Politikerin Susanne Kastner, die in Maroldsweisach lebt, fasst es in Worte: "Ich kenne beide schon sehr lange. Und Sigmar ist eben manchmal etwas grobschlächtig." Für die ehemalige Vizepräsidentin des Bundestags war Schulz' Kandidatur eine freudige Überraschung: "Das ist absolut super. Martin Schulz ist solide und integer."


Wahlkampf voll im Gange

CSU-Politikerin Dorothee Bär sieht die Entscheidung der SPD für Schulz als Kanzlerkandidaten sehr gelassen: "Für mich ändert sich damit nichts", sagt die Bundestagsabgeordnete aus Ebelsbach. Aber sie empfinde den derzeitigen "Hype" als viel zu groß, dafür "dass Herr Schulz vielen unbekannt ist".
Mit dieser Meinung steht Bär nicht alleine da. Martin Schulz selbst warnte bei einer SPD-Veranstaltung in Hessen vor zu großer Euphorie mit den Worten: "Umfragen sind Umfragen. Das gibt Schwung, ist aber noch kein Wahlsieg." Und er kündigte an, im Wahlkampf auch auf Emotionen zu setzen.
Dass der ehemalige EU-Politiker für Emotionen sorgen kann, hat er in den vergangenen Wochen gezeigt. Doch was wünschen sich die SPD-Politiker im Kreis nun von ihrem Mann? Welche Themen sollen im Wahlkampf auf das Tapet gebracht werden? Wolfgang Brühl spricht von "sozialer Gerechtigkeit". Auch Susanne Kastner erwartet von Schulz, "dass soziale Gerechtigkeit wieder das Markenzeichen der SPD wird". Themen wie Rente, Ordnung auf dem Arbeitsmarkt und die Gesundheitspolitik sollten laut Kastner besprochen werden.


Respekt im Wahlkampf

Dorothee Bär ist der Meinung, dass die Kandidatur von Martin Schulz keine großen Auswirkungen auf den Wahlkampf der Union hat. Welche Themen inhaltlich von Schulz angesprochen werden, müsse man in den kommenden acht Monaten bis zur Bundestagswahl im September erst einmal abwarten. Denn das, was man in den vergangenen Monaten in den USA erlebt hat, möchte Bär auf keinen Fall hier erleben. "Ich muss wirklich sagen, dass mich das schockiert hat", sagt die Ebelsbacherin. Daher wünscht sich Bär vor allem einen respektvollen Wahlkampf - "in dem es um Inhalte und nicht um private und persönliche Belange geht".